Wettbewerbsfaktor KI: Kleine Schritte mit großer Wirkung (Gesponsert)
Shownotes
Deutsche Unternehmen verlieren im Bereich der künstlichen Intelligenz den Anschluss. Laut einer aktuellen Lenovo-Studie planen nur 40 Prozent der Befragten hierzulande, KI-Lösungen einzuführen – ein niedriger Wert im europäischen Vergleich. Florian Richter, KI-Experte bei Lenovo, sieht 2026 als entscheidendes Jahr: KI prägt nun ganze Geschäftsmodelle und beeinflusst die Wettbewerbsfähigkeit massiv.
Der häufigste Fehler: Unternehmen behandeln KI wie ein klassisches IT-Projekt und planen zu groß. Statt direkt die Reise zum Mond anzutreten, empfiehlt Richter kleinere Schritte. Ideation-Workshops helfen dabei, konkrete Use Cases zu identifizieren – oft bringen einfache Automatisierungsprozesse den größten Nutzen. Wichtig sei zudem, dass der Bedarf aus dem Business kommt und nicht nur aus der IT-Abteilung.
Bei der Finanzierung gewinnen flexible Nutzungskonzepte an Bedeutung. Mit Modellen wie Lenovo TruScale können Unternehmen Hardware mieten statt kaufen und so Investitionsrisiken minimieren. Gerade bei der schnelllebigen KI-Entwicklung bietet das die nötige Flexibilität für eine spätere Skalierung.
Neugierig geworden? Im Interview mit „heise meets …“ erläutert Florian Richter,
- wie Unternehmen mit Ideation-Workshops den richtigen KI-Einstieg finden,
- warum Deutschland im europäischen KI-Vergleich aufholen muss und
- welche Finanzierungsmodelle Investitionsrisiken reduzieren.
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Transkript anzeigen
Sprecherin: Diese Folge wurde vom Arbeitgeber des Interviewpartners gesponsert.
heise meets … – Der Entscheider-Talk. Wir besprechen kritische, aktuelle und zukunftsgerichtete Themen aus der Perspektive eines Entscheiders. heise business services begrüßt Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Immer aktuell und nah am Geschehen.
Sprecher: heise meets … – Der Entscheider-Talk. Heute mit Florian Richter von Lenovo. Moin moin, mein Lieber. Einen wunderschönen guten Morgen.
Florian Richter: Guten Morgen, Matthias.
Sprecher: Wir sprechen über künstliche Intelligenz und künftige Investitionen, das soll unser Thema sein. Aber wir zeichnen das online auf und ich habe zufällig ganz unten im Schreibtisch eine alte Floppy-Disk gefunden und hab die so hochgehalten. Florian, was geht dir da durch den Kopf, wenn du das siehst?
Florian Richter: Das waren meine Anfänge, wenn es um Technologie oder damals IT ging. Ganz ehrlich, das Erste, was mir durch den Kopf ging, Matthias, war, dass ich damals zwei Computerspiele besessen habe. Ein Golfspiel – ich meine, das war auf zwölf Floppys – und das andere war Prince of Persia. Ich weiß gar nicht mehr, das war auf zwei oder drei Floppy-Discs damals. Aber ja, meine Töchter können damit gar nichts mehr anfangen. Die können aber auch mit CDs nicht mehr wirklich was anfangen.
Sprecher: Ja, das so richtig. Ich suche gerade ein Lesegerät für diese Floppy-Discs. Das werden wir mit künstlicher Intelligenz nicht finden. Aber vielleicht doch. Was meinst du?
Florian Richter: Ich wollte dir jetzt nicht ins Wort fallen, aber ich würde es zumindest mal versuchen. Die Wahrscheinlichkeit, dass du mit KI noch ein Floppy-Lesegerät findest, sind sicherlich durchaus höher, als wenn du so im Internet suchst. Ich könnte dir jetzt noch einen CD-Brenner anbieten, aber der hilft dir in dem Fall nicht.
Sprecher: Wir wollen ja über künstliche Intelligenz und künftige Investitionen reden. Florian, wenn du künstliche Intelligenz hörst – wenn ich mir klassische Medien anschaue, dann ist es immer noch etwas Imaginäres. Für dich ist es nicht. Für dich ist es Business as usual und selbstverständlich.
Florian Richter: Ja, alles andere wäre jetzt auch schlimm, wenn das für Unternehmen in der IT-Branche nicht Business as usual wäre.
Sprecher: Aber immerhin, es gibt sicherlich ganz häufig Kunden bei euch, die sagen: Das ist alles so imaginär. Ich höre das eine, ich höre das andere. Ich müsste ja eigentlich investieren, aber ich weiß gar nicht, wohin die Reise geht. Wir zeichnen deswegen diesen Podcast auf, Florian, damit du uns an die Hand nimmst und sagst, wohin geht die Reise?
Florian Richter: Dann lass uns da doch mal reinschauen. Grundsätzlich würde ich durchaus sagen, dass es immer noch einiges an Unsicherheiten gibt, wenn du über das Thema künstliche Intelligenz sprichst. Und da musst du nicht mal ins Unternehmen gucken. Das siehst du sicherlich auch, wenn du in der Arztpraxis bist und die Menschen um dich herum anfangen, über KI zu sprechen. Da ist aber viel Unwissenheit dabei.
Wenn wir uns generell den Markt mal angucken: Fangen wir mal vor zwei Jahren an. Ich bin jetzt im Jahr 2024 - 2024 war das Jahr, in dem aus unternehmerischer Sicht, insbesondere in Deutschland, viel experimentiert wurde. Es gab erste Use Cases, man hat sich sicherlich mit dem Thema beschäftigt, was das mit der Unternehmenskultur macht. Und natürlich steht im Raum auch das ganze Thema Datenschutz, Daatensicherheit, Compliance. So das war 2024.
Sprecher: Magst du uns ein Beispiel geben, was du für das Jahr 2024 für typisch hältst im Umgang mit KI?
Florian Richter: Tatsächlich das ganze Thema Experimentieren. Jeder hat mal angefangen, irgendwie mit KI zu spielen. Und ich würde mal vorsichtig sagen, das KI-Tool, das im Unternehmenskontext 2024 am meisten eingesetzt wurde, kam am Ende aus dem Hause Microsoft.
Sprecher: Das kann ich unterschreiben.
Florian Richter: Genau, Co-Pilot. Mal gucken, was geht mit dem Co-Pilot eigentlich. Und wenn wir dann ein Jahr später sind, 2025 beispielsweise , Matthias, haben wir relativ viele Pilotprojekte gesehen. Also wirklich zumindest mal das Ausprobieren an ganz konkreten Cases. Aber da reden wir wirklich über Proof-of-Concepts, die letztes Jahr sehr stark stattgefunden haben.
Sprecher: Und jetzt kommt ein Kunde zu dir und sagt: Wir schreiben das Jahr 2026. Wie du beschrieben hast, Florian, wir haben 2024 was ausprobiert, 2025 wurde es konkreter. Und jetzt – was erwartest du, was erwartet uns als Unternehmen?
Florian Richter: In 2026 sehe ich tatsächlich: Wir sind jetzt an dem Punkt angekommen, dass KI ja keine neue Technologie mehr ist. Zu dieser Aussage dazu stehe ich. Jeder hat damit gespielt, jeder hat erste Erfahrungen gesammelt. Wir sind jetzt an dem Punkt, wo künstliche Intelligenz tatsächlich aus meiner Sicht ganze Geschäftsmodelle prägt und vor allen Dingen einen riesigen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens hat. Entweder habe ich KI im Einsatz, bringe sie in den Einsatz oder ich habe sie nicht. Und auch das werde ich dann relativ schnell im Wettbewerb draußen am Markt sehen.
Sprecher: Und das ist so gelassen gesagt. Wenn ich jetzt Controller wäre, IT-Chef oder was auch immer in einem Unternehmen und stelle mir die Frage: Ja, der Florian Richter von Lenovo, dieser Teufelskerl, der sagt, das wird über meine Wettbewerbsfähigkeit entscheiden. Aber was bedeutet das für meinen Einkauf? Was stelle ich mir jetzt dahin? Warte ich vielleicht auch noch ein bisschen, weil das, was ich vorher angeschafft habe, tut ja auch noch? Was empfiehlst du den Unternehmen?
Florian Richter: Ich glaube, am wichtigsten ist überhaupt erst mal, dass man sich mit der Materie auseinandersetzt. Das braucht relativ viel Wissen. Das musst Du aber nicht im eigenen Unternehmen vorhalten. Natürlich muss man sich die Frage stellen: Ist es das wert, eine eigene KI-Expertise aufzubauen? Und es ist sicherlich unterschiedlich, je nachdem, ob ich im guten deutschen Mittelstand unterwegs bin, ob ich eher im Großkundenumfeld unterwegs bin oder ob ich aus Sicht von Lenovo ein Global Account bin.
Sprecher: Lass mich gleich mal dazwischen grätschen. Wie würdest du die Frage beantworten? Mittelständler, größer unterwegs oder global? Was soll man als Unternehmen berücksichtigen?
Florian Richter: Wichtig ist das aus meiner Sicht für jeden. Und da kommt ein Aspekt dazu: Wenn du den deutschen Markt mit dem Rest der europäischen Märkte vergleichst, dann ist der deutsche Mittelstand durchaus deutlich größer als ein mittelständisches oder kleines Unternehmen im europäischen Ausland. Wir haben die Diskussion gerade wieder gehabt: Was ist denn die Definition vom Mittelstand in Europa? Da redest du oftmals über Kundengrößen zwischen 250 und 400 Seats. Wenn du in den deutschen Markt guckst, dann hat ein Mittelständler aber ganz schnell auch mal tausend Seats oder sogar noch ein bisschen größer und ist durchaus international aufgestellt.
Aus meiner Sicht ist das für jedes Unternehmen relevant. Die Frage ist immer nur: Was ist mein Ansatz zum Thema KI, wie viel eigene Expertise habe ich? Am Ende natürlich auch Fragen wie: Baue ich mir ein eigenes KI-Rechenzentrum oder ist das eher eine Leistung, die ich mir am Markt einkaufe? All das ist durchaus möglich.
Sprecher: Noch mal, ich lasse dich da nicht raus, ich will noch mal nachbohren. Wenn ich diese drei Größen von Unternehmen nehme, die du gesagt hast, und wenn der Mittelständler auch ein bisschen größer ist – wir kennen das aus Baden-Württemberg, in jedem Dorf ein Hidden Champion, und der hat dann schon ein paar mehr Leute. Welche Strategie empfiehlst du aus deiner Erfahrung als Lenovo-Experte, beispielsweise für einen Mittelständler, lass den 200 oder 1.000 Seats haben?
Florian Richter: Grundsätzlich gilt das für jede Kundengröße. Die erste Frage, die man sich immer stellen sollte: Habe ich schon eine Idee, was ich mit KI überhaupt bewirken möchte? Wenn du darauf eine Antwort hast, wäre der Weg ein anderer. Hast du diese Antwort nicht, unabhängig von deiner Kundengröße, ist das Erste, was wir immer tun, eine Ideation. Bei uns nennt sich das ein AI-Discover. Es geht darum, dass du dich irgendwo zwischen einem halben Tag und potenziell zwei Tagen zusammensetzt und überhaupt mal ein gemeinsames Verständnis für das Business des Kunden generierst. Daraus entstehen dann entsprechende Ideen: Wo könnte KI sinnvoll zum Einsatz gebracht werden?
Der Hintergrund ist relativ simpel, Matthias: Es geht darum, KI ist ja nicht immer gleich die nächste Reise zum Mond ermöglichen muss. Manchmal sind es einfachste Automatisierungsprozesse, -projekte. Manchmal ist es aber eben auch die Möglichkeit, ganz neue Geschäftsfelder damit zu entdecken. Deswegen ist der Startpunkt für uns immer das Thema Ideation, um überhaupt mal zu gucken, wo kann und sollte ich KI sinnvoll zum Einsatz bringen.
Sprecher: Ich würde mal unterstellen, dass viele Unternehmen darauf eine Antwort haben. Du hast das vorher auch schon ein bisschen impliziert. Die Antwort wird sein: Ich möchte erstens effizienter sein. Und der zweite Teil der Antwort wird sein: Ich möchte in ein paar Jahren auch noch wettbewerbsfähig am Markt sein. Dann haben wir das geklärt. Wie ist der nächste Schritt?
Florian Richter: Wenn du aus einem solchen Workshop rauskommst, dann definierst du im Regelfall zwei, allerhöchstens drei Projekte, die du im Detail durcharbeitest. Das heißt, was wir dann tun würden: Nachdem wir verstanden haben, was die Anforderungen sind, gucken wir uns das Ganze aus der technologischen Sicht an. Was bräuchte es technologisch eigentlich, um den Use Case des Kunden umsetzen zu können?
Denn dann kommst du relativ schnell zu einem Fahrplan. Also Fahrplan im Sinne von: Wie lange dauert eine solche Umsetzung, bis wir mindestens mal bei einem sogenannten Minimal Viable Product sind? Also etwas, was du dir anschauen kannst, was du testen kannst mit ersten Daten. Und du kriegst dann auch relativ schnell eine Sicht darauf, was es eigentlich kostet es mich eigentlich, wenn ich es produktiv umsetzen würde. Denn eine Frage kommt bei uns in Deutschland ja immer: Wie sieht mein Return on Investment aus? Und die kannst du natürlich nur beantworten, wenn du eine Timeline kennst, wenn du die Aufwände kennst und wenn du auch weißt, was am Ende auf einer potenziellen Hardware-Rechnung steht, die ich vielleicht brauche, um im Backend das Ganze überhaupt lauffähig zu bekommen.
Sprecher: Dann hast du zwei Partner im Unternehmen. Das eine ist der IT-Chef, der sagt: Herr Richter, wir kommen ins Geschäft. Und dann hast du den Controller, der sagt: Herr Richter, ich weiß doch nicht, was in drei, vier, fünf Jahren ist. Wir kommen nicht ins Geschäft. Wie weiter?
Florian Richter: Also erstmal, wenn du nur zwei Ansprechpartner im Unternehmen hast, dann werden wir als Lenovo auf jeden Fall scheitern. Die sind beide super wichtig in ihrer Funktion, in ihrer Position. Die Frage ist aber, woher kommt denn eigentlich der Bedarf? Und das ist etwas, was sich momentan massiv ändert. Der Bedarf, gerade in diesen ganzen KI-Themen Matthias, kommt immer stärker aus dem Business selbst und weniger aus der IT.
Natürlich kann auch die IT Prozesse haben, wo sie sagt: Das können wir optimieren. Der Klassiker wäre, du hast noch einen eigenen Service-Desk im Haus. Natürlich kannst du KI gerade im First Level einsetzen, um deine Mitarbeiter zu entlasten, damit die die schwierigeren Fälle dann am Ende im Second Level klären können. Die Anzahl der Tickets geht runter und so weiter.
Aber was wir sehen – und da muss ich kurz auf die neueste Lenovo-Studie eingehen: Wir haben vor wenigen Tagen gerade wieder unser CIO-Playbook für das Jahr 2026 veröffentlicht, wo wir um die 800 C-Level-Kontakte gefragt haben, wie sie das Thema KI sehen und wo sie aktuell unterwegs sind. Ein Punkt, der relativ klar rauskam: Wir reden über zweistelligen Zuwachs, was Anforderungen und Implementierungen von KI-Projekten angeht, in Bereichen wie R&D, Operations, Marketing, Finance – eben nicht klassisch IT. Somit bräuchte ich zu diesen beiden, die du genannt hast, wenigstens noch einen dritten Ansprechpartner, der aus dem Business kommt und relativ klar artikulieren kann, welches Problem eigentlich gelöst werden soll.
Sprecher: Und das betrifft – ich habe dir am Anfang gesagt, ich bohre immer ein bisschen nach – das betrifft sowohl den Mittelständler, egal wie viele Menschen da sind. Das betrifft den größer Aufgestellten und das betrifft das globale Unternehmen. Die Anforderungen sind alle gleich, weil die Herausforderungen die gleichen sind, oder?
Florian Richter: Ja, definitiv. Ich hatte vorhin diesen AI-Discover-Workshop erwähnt, Matthias. Das ist ein Workshop, der üblicherweise immer irgendwo im Austausch mit den Kollegen aus der IT anfängt. Wenn wir solche Workshops machen, dann ist es aber so, dass wir immer Kollegen aus dem Business mit am Tisch sitzen haben. Die Diskussionen, die du dann hast, sind – ich glaube, im Deutschen würde man sagen – unglaublich fruchtbar ;-) Eben weil du nicht nur den technischen Blick drauf hast, sondern wirklich das Business.
Das heißt, wir sind auch in der Lage, ein bisschen die Brücke zu bauen zwischen Business und IT. Das versuchen wir seit vielen Jahren in unserer Branche. Im Thema KI funktioniert es beziehungsweise ist ein zwingendes Muss, wenn du erfolgreich sein möchtest.
Sprecher: Du hast schon die Studie erwähnt. Ich komme da nochmal drauf zurück. Aber vorher will ich noch wissen: Wenn Entscheider heute zögern – also du sitzt in dieser Runde, du hast mehrere Ansprechpartner, du kommst von Lenovo dazu. Wenn das alles noch ein bisschen schwieriger ist, der Entscheidungsprozess: Was sind aus deiner Sicht die größten Denkfehler oder falschen Annahmen, die bei einer Entscheidung eine Rolle spielen?
Florian Richter: Ich glaube – und das ist jetzt meine persönliche Meinung – dass wir, wenn es darum geht, wenn es darum geht Potenziale im Thema künstliche Intelligenz zu erkennen, zu oft immer noch in klassischen Denkmustern unterwegs sind. Es ist ein klassisches IT-Projekt und wir behandeln es auch genau so. Das ist das eine.
Das andere ist die Fragen: Muss es gleich die Reise auf den Mond oder gar die Reise auf den Mars sein, die ich mit meinem ersten KI-Projekt mache? Oder sind es nicht vielmehr kleine Schritte, die aufzeigen, dass KI funktioniert, die KI auch im Unternehmen ankommen lassen?
Weil jetzt wissen wir auch, wenn wir über KI sprechen und wir haben ganz zu Beginn über die Unsicherheit gesprochen, Matthias, dann ist einer der Punkte auch die Unsicherheit der Mitarbeitenden. Was macht KI denn eigentlich mit mir, mit meiner Position? Aus meiner Sicht sollte KI immer entlasten, und das muss das Ziel sein. Da ist unglaublich viel Potenzial dahinter. Aber nochmal: Kleine Schritte sind oftmals das, was aus unserer Sicht deutlich besser funktioniert.
Somit, um deine Frage zu beantworten, sind das so die zwei Stolpersteine, die wir tatsächlich immer wieder in verschiedensten Kundensituationen bei solchen Workshops sehen.
Sprecher: Am Ende – du hast es gesagt – am Ende steht immer die Frage: Was kostet das? Welche Rolle spielen dabei beispielsweise alternative Nutzungs- und Finanzierungsmodelle? Was ist mit Miete, was ist mit Leasing, um bestimmte ja Ressentiments und Unsicherheiten zu umgehen? Wie geht ihr da auf die Kunden zu?
Florian Richter: Wenn du dir anguckst, wie sich der Markt entwickelt hat, dann reden wir darüber, dass im letzten Jahr, wenn ich mich recht entsinne, die KI-Budgets sich verdoppelt haben zum Vorjahr. Gut, das ist jetzt nicht schwer, weil 2024 waren sie noch nicht so hoch. Das war noch ein Taschengeld.
Sprecher: Richtig.
Florian Richter: Wir sehen aber auch, dass auch in diesem Jahr vermutlich nochmal ein Wachstum zum letzten Jahr von ungefähr 10 Prozent stattfinden wird. Also zumindest wird das Budget mehr. Das ist erst mal die gute Nachricht.
Auf der anderen Seite ist es aber auch so: Du redest mittlerweile eigentlich über vier Kernbereiche, wenn wir über künstliche Intelligenz sprechen. Du redest über Agentic AI, du redest über Generative AI, du redest über Interpretive AI und du redest über Predictive AI. Das sind jetzt vier Bereiche. Wenn wir die aufteilen, dann sehen wir: Die sind alle ungefähr ein Viertel des KI-Marktes Stand heute. Unterschiede sind marginal, die können wir vernachlässigen.
Jetzt habe ich 10 Prozent mehr Budget, ich habe aber deutlich mehr Komplexität, weil KI eben nicht mehr gleich KI ist. Und die Frage am Ende steht: Wie skaliere ich das Ganze eigentlich, wenn ich damit angefangen habe? Dann sind wir bei einer Diskussion, die ist gefühlt auch schon so alt wie Methusalem: Rede ich über klassische Capex-Modelle, rede ich über Opex-Modelle, wie finanziere ich das Ganze? Was für eine Flexibilität - schwieriges Wort - brauche ich eigentlich am Ende?
Sprecher: Nicht nur für dich ein schwieriges Wort ;-)
Florian Richter: Ja, erschreckend, ich stolpere immer wieder darüber. Das Thema Flexibilität wird - wenn Du mich fragst - im Rahmen von künstlicher Intelligenz noch deutlich wichtiger. Und somit sind ja klar Mietmodelle, Leasingmodelle – oder eigentlich müssten wir über Nutzungskonzepte sprechen, die am Ende natürlich auch eine Art der Finanzierung beinhalten – sind das, was man sich definitiv angucken sollte. Und das sehen wir auch am Markt, was sich verstärkt. Immer mehr Kunden gucken sich das an. In den letzten guten sechs Monaten haben wir mehr über Lenovo TruScale als Nutzungskonzept gesprochen als in den Jahren zuvor.
Sprecher: Wenn du schon den Teaser sagst, Lenovo TruScale, dann gib uns ein bisschen Futter. Was steckt da dahinter?
Florian Richter: Stark vereinfacht – wir wollen nicht den ganzen Podcast sprengen – stark vereinfacht ist TruScale unser Nutzungskonzept. Und zwar ganz gleich, ob wir jetzt über das klassische Arbeitsplatzgerät sprechen oder ob wir im Rechenzentrum unterwegs sind. Es geht darum, die Modelle so flexibel wie möglich aufzubauen, gerade auch was das Thema Wachstum und Wachstumspotenziale, Investitionen angeht. Und es geht darum, dass du heute nicht mehr jedes Stück Hardware zwingend selbst besitzen musst oder gar in deine Bücher nehmen möchtest oder solltest. Du kannst so etwas einfach auch klassisch Opex abbilden, und dann bist du eben in Modellen, die am Ende über eine Miete beziehungsweise einen potenziellen Finanzierungsansatz sprechen als Basis dessen.
Sprecher: Ja, aber das ist doch ein höllisch schwieriges Geschäft. Wenn ich ein Rechenzentrum beispielsweise habe – okay, das hat einen bestimmten Wert. Das funktioniert unter klimatisch sauberen Bedingungen. Da ist immer der Strom da, die Temperatur ist alles weit weg. Und im Gegenzug dazu habe ich eine Ausrüstung von mehreren Laptops, die auf Baustellen durch die Gegend geschleppt werden, die in ganz extremen Umweltsituationen unterwegs sind, egal ob Temperatur oder Schmutz oder wie auch immer.. Wie berechne ich da Restwerte? Wie komme ich da zu so einem Konzept, wie du es vorgestellt hast?
Florian Richter: Bleiben wir mal bei der Baustelle. Jetzt hat ja jeder eventuell schon mal eine Wohnung renoviert oder vielleicht auch ein Haus gebaut. Faktisch weiß man ja, dass in so einer Baustellenumgebung ich mit deutlich mehr Dreck zu tun habe, als wenn ich jetzt klassisch im Großraumbüro in einer Versicherung bin.
Unser Ansatz ist relativ simpel und ich glaube, auch sehr fair: Wir beschreiben von vornherein klar, wie verschiedene Nutzungsklassen definiert sind und wie am Ende vor allem auch der Restwert – oder wie wir liebevoll sagen, der sogenannte Fair Market Value – definiert ist in bestimmten Klassen.
Sprecher: Schönes Wort.
Florian Richter: Genau, ist ein schönes Wort. Wir nennen das Grade A und Grade B. Beziehungsweise es heißt am Markt Grade A und Grade B. Dann ist relativ klar definiert: Wie darf so ein Gerät aussehen? Wo dürfen Kratzer sein, was muss aber sauber funktionieren? Natürlich kann ich als Kunde gucken: Ich kenne ja meine Geräteflotte. Passt das oder passt das eben nicht? Und die Wahrscheinlichkeit, dass wenn ein Gerät, das dauerhaft auf dem Bau benutzt wird, als Grade A oder Grade B zurückkommt, ist sehr überschaubar, um das vorsichtig zu sagen.
Das heißt, da hilft nur: Du musst es klar definieren, es muss Bestandteil des Vertrages sein. Dann sind beide Seiten auf der sicheren Seite. Das gilt für den Kunden mindestens genauso. Und so etwas würden wir auch in den Workshops die wir dazu haben, wenn es um solche Nutzungskonzepte geht, Matthias, immer mit ansprechen, was unsere Erfahrungswerte sind. Wir wissen nun mal: Ein Gerät auf dem Bau kommt niemals so zurück wie ein Gerät, das in der Versicherung unterwegs war, oder ein Gerät zu Beispiel, das in der Luftfahrt verwendet wurde.
Sprecher: Du kennst meine Versicherer nicht.
Florian Richter: Ja, ich kenne meine Versicherer. Aber tatsächlich, am Ende sind das alles Erfahrungswerte, und da kann man nur offen mit umgehen. Dann gibt es für niemanden am Ende der Laufzeit irgendwelche bösen Überraschungen. Das ist unglaublich wichtig.
Sprecher: Das heißt, ihr nehmt den Kunden an die Hand und könnt Bedenken ausräumen. Und dann sind Entscheidungsgrundlagen gefunden, auf denen man sagen kann: Ja, wir arbeiten zusammen, oder wir arbeiten nicht.
Florian Richter: Richtig, genau.
Sprecher: Dann machen wir an der Stelle mal einen Haken dahinter und gehen zu dieser CIO-Studie, von der du schon gesprochen hast. Da will ich noch ein bisschen mehr wissen. Die ist ja gerade erst auf den Markt gekommen, hast du gesagt. Ist gerade erst veröffentlicht worden.
Welche Leitlinien sollten IT-Entscheider heute im Blick haben, wenn sie über die Zukunft nachdenken? Was ist aus dieser Studie da relevant? Wo kann man sagen: Wir haben die und die Ergebnisse, die geben wir gerne an Kunden weiter?
Florian Richter: Wenn man sich die Studie anschaut – und es lohnt sich tatsächlich, und das sage ich jetzt nicht, weil ich bei Lenovo arbeite – ist es eine super interessante Studie. Ich hatte das eingangs erwähnt: Wir reden über 800 Befragte aus der EMEA-Region, also Europa und Mittlerer Osten. Und wir reden über C-Level und, wie man klassisch sagt, C-1.
Die Leitlinien, die deutlich dabei rauskommen: Erstmal, 2026 ist das Jahr, in dem KI produktiv wird. Eine Ergänzung, das ist für uns in Deutschland sicherlich noch wichtiger: Wenn wir mal den Vergleich anstellen – und das tut diese Studie – mit Skandinavien oder UK beispielsweise, dann müssen wir höllisch aufpassen, dass wir in Deutschland nicht den Anschluss verlieren.
Das ist das eine. Denn gucken wir mal auf den aktuellen Status in Deutschland, dann besagt die Studie auch: 40 Prozent der Befragten überlegen beziehungsweise planen, KI-Lösungen einzuführen. Die Zahl könnte durchaus noch ein bisschen höher sein, aber Stand jetzt 40 Prozent.
Sprecher: Ich war jetzt gespannt, was du sagst, weil 40 Prozent finde ich eigentlich wenig.
Florian Richter: Vor allem auch im europäischen Vergleich ist das wenig. Und das meine ich mit: Wir müssen aufpassen, dass wir den Anschluss nicht verlieren. Wenn wir weiterschauen: 13 Prozent starten jetzt gerade mit der Einführung. Und das ist eine Zahl, die ich noch viel interessanter finde, weil ich hätte gesagt, eigentlich müssten eher ein Drittel aller Befragten jetzt gerade mit der Einführung starten. Aber gut, 13 Prozent starten jetzt gerade, 47 Prozent sind noch dabei zu pilotieren.
Das Gute ist: Wir beschäftigen uns damit. Ich denke, das ist eine positive Kernaussage. Auf der anderen Seite ist da, gerade im deutschen Markt, durchaus noch Luft nach oben.
Wenn wir uns die Prioritäten angucken, Matthias: Wo liegen die Prioritäten? Die Prioritäten liegen a.) relativ deutlich auf dem Thema KI-Infrastruktur. Das heißt: Was brauche ich eigentlich, insbesondere im Backend? Und dann – das sollte uns nicht überraschen, wir sind in Deutschland – ist das Thema Sicherheit, das Thema Vertrauen und auch das Thema Transparenz relativ weit oben auf der Agenda der CIOs. Und das sicherlich auch zu Recht. Ich kann die beste KI-Infrastruktur haben, aber ich brauche natürlich auch das richtige Governance-Modell. Ich muss abgesichert sein.
Schlussendlich geht es weiter mit: Ich habe die KI-Infrastruktur, ich brauche natürlich auch die richtigen KI-fähigen Geräte. Also: Wie sieht mein Arbeitsplatz entsprechend aus? Und dann erst kommt das Thema der KI-Agenten. Das heißt, wir sind relativ lange noch auf der infrastrukturellen Ebene unterwegs, bevor wir uns dann anfangen, über KI-Agenten oder tatsächlich das Thema externe Services und Beratung zu unterhalten.
Sprecher: Das heißt, erst muss was dastehen, und dann können wir über Inhalte reden.
Florian Richter: Ja, richtig, genau. Es ist auch wieder ein sehr klassischer Ansatz für uns. Ich bin jetzt 20 Jahre in der Branche. Und das habe ich oft gesehen. Auch das gilt im Thema KI in Deutschland.
Sprecher: Wenn du mit Kunden über diese Studie sprichst, was hebst du hervor? Was ist dein Einstieg, um darüber zu sprechen? Sind es diese Zahlen, die du genannt hast, dass noch nicht mal die Hälfte so weit ist und darüber nachdenkt? Oder was hebst du hervor?
Florian Richter: Du kannst über die Zahlen natürlich gut sprechen, weil das für jeden interessant ist zu sehen, wo der Markt eigentlich steht. Was ich besonders hervorhebe, so wie ich es gerade auch getan habe, ist durchaus mal der europäische Vergleich. Weil ich der festen Überzeugung bin, dass wir mindestens dasselbe Potenzial haben wie unsere europäischen Nachbarn. Und das eben momentan nicht ausschöpfen. Das ist super schade.
Darüber hinaus arbeite ich mit einem ganz klaren Mission Statement, das du auch in der Studie findest. Nämlich worum es eigentlich gehen sollte: Wir sollten KI auf der einen Seite sicher, auf der anderen Seite aber auch konsistent und unter sehr sehr klaren Risikokontrollen skaliert bekommen. Sicherheit ist wichtig, Konsistenz ist wichtig, um das Ganze dann kontrolliert zu skalieren. Das ist etwas, worüber du recht intensiv sprechen kannst, weil das natürlich viele Themen beinhaltet.
Und grundsätzlich – dann bin ich auch schon durch zu dieser Frage, Matthias: Gibt es eine Erfolgsformel? Das habe ich jetzt auch schon mehrfach durchblicken lassen. Lass uns erst die Grundlagen schaffen, lass uns kleinere Projekte angehen, und irgendwann später erst den großen Rollout. Aber fang niemals mit dem großen Rollout an, diesem riesengroßen Projekt, das sich im Worst Case auch noch über anderthalb Jahre zieht, während sich jeder die Frage stellt: Werde ich jemals einen Return on Investment sehen? Das funktioniert einfach nicht. Und der KI-Markt ist viel zu schnelllebig für so ein klassisches IT-Projekt, das sich über zig Quartale zieht.
Sprecher: Das wäre wahrscheinlich auch der generelle Tipp, den du jedem Gesprächspartner geben würdest, wenn du über das Thema sprichst.
Florian Richter: Ja, definitiv. Einfach lieber viele kleine Schritte machen, jeweils erfolgreich abhaken – oder auch durchaus mal einen Proof-of-Concept dabei haben, wo man sagt: Okay, wir haben viel gelernt, aber dieser Proof-of-Concept wird nicht produktiv gehen. Auch das ist vollkommen in Ordnung. Ich glaube, vor ein paar Jahren war das relativ hip, da hat man über Fail-Fast gesprochen. Dann haben wir über Agile gesprochen. All das sind Ansätze, die auch im Thema KI durchaus noch zur Anwendung kommen können.
Sprecher: Und diese Studie, diese CIO-Studie, über die du gesprochen hast, die liegt nicht bei Lenovo in der Schublade. Die kann man noch bekommen, wenn man mit euch im Gespräch ist?
Florian Richter: Genau, die ist frei zugänglich. Das ist überhaupt gar kein Problem. Die kann sich jeder im Netz runterladen und sich die Zahlen genauer angucken. Viele, viele Zahlen. Die Studie geht über einige Seiten. Da sollte für jeden was Spannendes dabei sein.
Sprecher: Abschließende Frage. Wir sind am Anfang des Jahres. Wir haben aber schon die CES gehabt und es gibt eine ganze Reihe von Präsentationen, Messen und so weiter. Lass uns gemeinsam noch mal ein bisschen in die Glaskugel gucken. Du hast es schon durchblicken lassen, aber wo glaubst du, wo geht die Reise hin? Welche Entscheidungen werden in diesem Jahr getroffen? Welche Weichen werden für die Zukunft gestellt?
Florian Richter: Meine Hoffnung ist definitiv, dass wir uns des Themas KI annehmen.
Sprecher: Wir in Deutschland.
Florian Richter: Wir in Deutschland, genau. Dass wir uns des Themas KI annehmen, dass wir auf die Potenziale gucken, die dahinterstehen, dass wir durchaus auch anfangen, über neue, über additive Geschäftsmodelle zu sprechen, nachdem wir uns mit den ganzen Optimierungsfällen auseinandergesetzt haben. Meine ganz klare Hoffnung ist, dass das Thema KI – noch anders als es in der Studie rauskam – in Deutschland dieses Jahr deutlich mehr Fahrt aufnimmt. Aus meiner Sicht muss das zwingend passieren. Ansonsten haben wir irgendwann den Anschluss zu unseren europäischen Nachbarn tatsächlich komplett verloren.
Sprecher:Florian Richter zu Gast bei heise meets … von Lenovo. Florian, ich lade dich hiermit schon ein, am Jahresende 2026 wieder so ein Gespräch zu führen und Bilanz zu ziehen. Ob diese Prognose, die wir Anfang des Jahres ins Auge gefasst haben, ob die tatsächlich eingetreten ist.
Florian Richter: Sehr, sehr gerne. Und ich hoffe, dass wir dann über ganz viele erfolgreiche Projekte am Markt sprechen können, über ganz viele Kunden, die mit dem Thema KI einfach noch erfolgreicher geworden sind.
Sprecher: Dein Wort in Gottes Gehörgang. Herzlichen Dank, Florian Richter von Lenovo, zu Gast bei heise meets …. Auf bald, sag ich mal, Florian.
Florian Richter: Danke, bis dahin, mach's gut.
Sprecherin: Das war heise meets … – Der Entscheider-Talk. Sie wollen mehr erfahren? Dann besuchen Sie uns auf business-services.heise.de. Wir freuen uns auf Sie.
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