Content-Management: Plattformen machen Firmenwissen KI-tauglich (Gesponsert)
Shownotes
„Wir wissen eigentlich gar nicht, was wir wissen“, hört Michael Pietsch immer wieder von Kunden. Verträge, technische Zeichnungen, Rechnungen, Videos und Personalakten liegen verteilt in SAP, Salesforce, ServiceNow oder auf Fileservern.
Dieser Content zählt zu den wichtigsten und am meisten unterschätzten Rohstoffen im Unternehmen, doch richtigen Nutzen bringt er erst dann, wenn er zentral zusammengeführt wird. Box versteht sich dabei nicht als weitere Insel, sondern als Brücke zwischen vorhandenen Anwendungen. Über 1.500 native Integrationen holen Inhalte aus den Silos und machen sie sicher, intelligent und prozessintegriert verfügbar.
Granulare Berechtigungen bis auf Dateiebene sowie die Anbindung an Okta oder Active Directory sorgen dafür, dass die Beschäftigten nur das sehen und teilen können, wofür sie eine Berechtigung besitzen. Beim Einsatz von KI gilt das gleiche Prinzip: Die KI kommt zum Content, nicht umgekehrt.
Box arbeitet agnostisch mit Modellen von OpenAI, Anthropic oder Mistral – so vermeiden Firmen, dass Mitarbeiter aus Bequemlichkeit Dateien auf fremden Plattformen hochladen. Workflows wie NDA-Prozesse, Schadens- regulierung oder Rechnungskontrolle lassen sich per Metadaten-Extraktion automatisieren und sparen Zeit.
Im Gespräch mit „heise meets …“ erklärt der Experte von der Firma Box außerdem,
- warum gerade kleine und mittlere Unternehmen von KI profitieren,
- wie sich Datenschutz, Compliance und digitale Souveränität vereinen lassen und
- welche Rolle Edge-Computing und Agents in der nächsten KI-Welle spielen.
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Transkript anzeigen
Sprecher: Willkommen zu „heise meets … – Der Entscheider-Talk“. Michael Pietsch von Box. Willkommen.
Michael Pietsch: Hi, vielen Dank. Ich freue mich, dabei zu sein.
Sprecher: Ich freue mich auch, dass es klappt. Wir hatten vorher schon eine Aufzeichnung gestartet. Ein kleines technisches Problem, das hat nicht so gut geklappt. Deswegen machen wir das jetzt zum zweiten Mal und hoffen, alles wird gut, Michael.
Michael Pietsch: Das denk ich auch… Du bist jetzt auf dem höchsten Berg angekommen und hast bestimmt eine bessere Verbindung.
Sprecher: Ja, ich bin auch ganz optimistisch.
Michael, ich gehe davon aus, dass unsere Zuhörer überdurchschnittlich gebildet sind. Eigentlich müssten alle Box kennen. Falls aber doch ein paar Newbies dabei sind: Hilf ihnen auf die Sprünge. Was macht Box und warum macht ihr was?
Michael Pietsch: Wir denken ja bei Box zuerst an File-Sharing. Damit haben wir irgendwann mal angefangen, und dafür sind wir bekannt. Aber das ist ein bisschen so, als würde man heute sagen: „Tesla ist auch ein schönes Radio.“ Der eigentliche Punkt ist ein anderer. Box kümmert sich mehr um einen der wichtigsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Rohstoffe im Unternehmen: den Content. Also um Verträge, NDAs, technische Zeichnungen, Rechnungen, Videos, Forschungsdaten, medizinische Dokumente und Personalakten. Genau dort steckt der riesige Pfeil des Unternehmenswissens. Darauf passen wir auf und machen es für das ganze Unternehmen nutzbar.
Wir bringen die KI zum Unternehmen, um dieses Wissen für jeden Mitarbeiter nutzbar zu machen. Und der Unterschied: Box baut keine weitere Insel im Unternehmen. Die meisten Unternehmen haben ohnehin schon genug Inseln. Box ist auch kein reiner Speicherort, wo man Daten einfach ablegt. Die Daten sollen nutzbar gemacht werden. Box verbindet die Inhalte sicher, intelligent und integriert sie mit Prozessen wie KI und Governance. Wir docken an Anwendungen an, die Unternehmen ohnehin nutzen. Der Anspruch ist nicht, die komplette IT-Landschaft zu ersetzen, sondern Content dort nutzbar zu machen, wo Arbeit tatsächlich passiert.
Sprecher: Das heißt, ihr verbindet die ganzen Inseln, also bildlich gesprochen von Key Biscayne bis Key West. Ihr seid die Brücken zwischen den Inseln.
Michael Pietsch: Genau. Die Inseln heißen dann Salesforce, ServiceNow, SAP, Teams oder andere Anwendungen im Unternehmen. Man kann sich das wie die Brücken in Key West vorstellen, die alles miteinander verbinden – aber die neuen Brücken, nicht die auf der linken Seite, die schon abgebrochen sind.
Sprecher: Ihr verbindet diese Inseln hast Du gesagt. Wie passiert das? Was ist das Besondere?
Michael Pietsch: Box ist die untere Plattform, so muss man sich das vorstellen. Unternehmen haben über die Jahre sehr viele neue Applikationen eingeführt: SaaS-Anwendungen, On-Premise-Installationen, Fileserver. Überall im ganzen Unternehmen liegt Content. Das sind die klassischen PDF-Dokumente und PowerPoint-Folien, aber mittlerweile auch sehr viel Video-Content, Audio-Content und Bild-Content.
So wird immer mehr in den einzelnen Silos abgelegt. Aber am Ende des Tages kann das gar nicht richtig genutzt werden. Wenn das in Applikationen abgelegt ist, funktioniert das gut, solange man sich in seiner eigenen Welt bewegt. Sobald man aber zusammenarbeiten möchte, hat ein Kollege vielleicht keinen Zugriff auf SAP, ein anderer nicht auf Salesforce und ein dritter nicht auf ServiceNow System.
Wir bringen all das zusammen. Box bietet schon über 1.500 native Integrationen. Wir holen den gesamten Content zentral in Box rein. Über neue Workflows können wir ihn dann – je nach Zugriffsrechten und Governance-Modellen – den Mitarbeitern für ihr Projekt brauchen um arbeiten zu können.
Sprecher: Erklär mir das mal an einem Beispiel. Du kommst in ein Unternehmen, das sagt: „Ich habe von Box gehört, gelesen, gesehen, das interessiert mich.“ Was ist die erste Frage, die du stellst?
Michael Pietsch: Die erste Frage lautet: Wo ist Ihr Content-Layer, den Sie momentan als zentralen Punkt nutzen, wo sie alles abzulegen und das Wissen Ihres Unternehmens nutzbar zu machen? Dann haben wir immer wieder die gleiche Diskussion. Die Kunden sagen: „Wir wissen eigentlich gar nicht, was wir wissen.“ Das ist das Problem. Über die letzten 15 Jahre wurde so viel Wissen angehäuft. Mitarbeiter gehen, Fileserver werden teilweise gelöscht. So geht sehr viel Wissen verloren, das über die Jahre in den Unternehmen entwickelt wurde. Da fangen wir die Diskussion an.
Es hat aber auch viel mit Use Cases zu tun. Oft kommt ein Unternehmen auf uns zu und sagt: „Wir möchten unseren NDA-Prozess vereinfachen und bis zur digitalen Unterschrift automatisieren.“ Das können wir in Box komplett abbilden. Oder es kommt ein Use Case auf der sagt: „Wir möchten unsere Schadensregulierung neu strukturieren. Wir möchten das vorhandene Wissen nutzbar machen: Wie oft ist dieser Schadensfall schon aufgetreten? Wie haben wir ihn damals reguliert? Welches Schreiben ist dafür rausgegangen?“ Solche Prozesse können wir auf Basis des Wissens standardisieren, das im Unternehmen ohnehin vorhanden ist.
Wenn wir das in Richtung KI bringen: Wo soll die KI ansetzen? Nur am Office-Content? Setzt sie am CRM-System? Setzt sie am Ticketmanagement-System? Am BI-System? Box ist kein Data Lake. Wir sind wirklich ein Unternehmen was den Content zusammen bringt und dann die KI heran bringt, um neues Wissen zu generieren.
Sprecher: Wenn ich das richtig zusammenfasse: Die zweite Frage die Du stellst, wenn Ihr sagt ja wir wollen was zusammen arbeiten: Wo und welchen Content wollt ihr zusammen stellen. Und die dritte Frage?
Michael Pietsch: Die dritte Frage lautet: Was ist heutzutage Ihr zentrales Content-Management-System? Da gibt es viele Antworten und viele Anbieter. Aber es gibt sehr wenige Unternehmen, die wirklich alle Sprachen mit allen Applikationen sprechen – um am Ende ein KI-Filesystem zu haben, KI-Filesystem - nennen wir es mal so. Was ist denn ein KI-Filesystem?
Sprecher: Das wäre meine nächste Frage gewesen.
Michael Pietsch: Bei Box sehen wir uns als Enabler für KI. Das Thema wird in Zukunft ja sein: Wie kann ich beweisen, dass die KI, die ich nutze, und das Wissen, das ich aus der KI ziehe, wirklich mein eigenes Wissen ist? Wie kann ich beweisen, dass das Language-Modell wirklich nur auf meine Daten zugegriffen hat – auf meinen Content, meine Videodateien, meine Audiodateien, meine Unterlagen? Und natürlich, dass nur Mitarbeiter zugreifen, die auch die Rechte dafür haben.
Greift die KI wirklich nur auf den Content dieses Mitarbeiters zu? Analysiert sie nur dessen Content und nicht etwa den eines anderen Mitarbeiters, der das gar nicht sehen darf? Das ist ganz wichtig: die Berechtigungsstrukturen und Security-Strukturen im Unternehmen sauber abzubilden. Gerade Datenschutz und Compliance werden in Unternehmen immer wichtiger sein wenn es zum Thema KI kommt.
Sprecher: Gib uns dazu mal ein Beispiel. So wie ich dich verstehe, kann das jedes Unternehmen von A bis Z betreffen. Wo lässt sich das, was du gerade theoretisch geschildert hast, am besten praktisch schildern?
Michael Pietsch: Am praktischsten sehen kann man das, wenn man sich die einzelnen Branchen anschaut. Das ist sehr branchenspezifisch. Nehmen wir den Legal-Bereich oder M&A-Companies. Die arbeiten mit vielen externen Leuten zusammen, müssen sehr viele Daten teilen und gemeinschaftlich bearbeiten. Da muss es wirklich nur einen Single Point of Truth geben und nicht verschiedene Dokumente, die hin- und hergeschickt werden. Wir kennen das alle: „Final Document“, „Final 1“, „Final Real Final“, „Final Version 11. Mai“ und so weiter. Da ist es entscheidend, dass wirklich nur an einem Dokument gearbeitet wird. Sonst das nur Chaos.
Sprecher: Das heißt, ich habe als Unternehmen auch einen richtig messbaren Benefit, wenn ihr euren Job gemacht habt, wenn die Zusammenarbeit mit Box läuft . Mitarbeiter A, B und C können jetzt andere Dinge tun, statt Dokumente zu suchen.
Michael Pietsch: Richtig, genau. Das ist die Hauptsache. Wir probieren die Arbeit erleichtern und den Mitarbeitern mehr Freiraum geben. Mit Box AI und unseren KI-Lösungen sind wir bei Language-Modellen komplett agnostisch sind. Bei uns kann man OpenAI, Anthropic oder Mistral einsetzen – das ist uns egal. Aber da ist es wichtig, dass die Mitarbeiter KI nutzen können, ohne etwas irgendwo hochladen zu müssen.
Das ist die Hauptthematik, die wir momentan haben. Niemand meint es böse. Man möchte schneller und effektiver arbeiten und mehr aus seiner Arbeitszeit herausholen. So fangen Mitarbeiter leider an, Dinge bei verschiedenen KI-Produkten hochzuladen. Man weiß ja gar nicht: Wird damit gelernt oder nicht? Bei uns kann jeder Mitarbeiter mit Box AI und dem gewählten Language-Modell an seinem eigenen Content arbeiten. So erleichtert er sich seine Arbeit, bildet neue Workflows und spart viel viel Zeit – auf einem wirklich securen Weg.
Sprecher: Dann sagt der CIO im Unternehmen bestimmt: „Herr Pietsch, Sie sind mein Mann, wir arbeiten mit Box zusammen.“ Der Controller sagt: „Brauchen wir das überhaupt?“ Dann siehst du das Stirnrunzeln. Was sagst du dann?
Michael Pietsch: Ja, ich denke schon das es wichtig ist, dass der Controller weiß, dass auch die Mitarbeiter nur mit dem Content arbeiten – und ihn mit KI bearbeiten lassen –, worauf den sie überhaupt Zugriff haben dürfen. Außerdem bleibt der Content im Unternehmen und wird nicht irgendwohin geladen.
Ich denke da an die guten alten Zeiten zurück, und das bringt mich zum File-Sharing. Früher haben doch Mitarbeiter gerne auch mal am Wochenende ihr Excel-Sheet bearbeiten wollen. Das war im Unternehmen verboten, es gab noch nicht so viel Homeoffice und kein flächendeckendes VPN. Was haben die Mitarbeiter im guten Glauben gemacht? Sie haben sich die Datei privat per E-Mail geschickt oder auf den USB-Stick geladen. So war man nie wirklich Herr über die Unternehmensinformationen.
Ähnlich sehe ich das jetzt im KI/AI-Bereich. Die Mitarbeiter wollen besser, schöner und effektiver arbeiten und sagen: „Dann lade ich die Datei mal ganz kurz hoch und lasse mir die analysieren.“ Das ist der fatale Fehler und ein großes Security-Risiko. Da landen viele Unternehmensdaten irgendwo, wo sie nicht landen sollten. Wichtig ist deshalb: die KI zum Content bringen und nicht den Content zur KI.
Sprecher: Zugriffsrechte – du bist ganz nah an diesem Thema. Wie macht ihr das bei Box? Was macht ihr anders als andere?
Michael Pietsch: Wir haben sieben Security-Layer, also Benutzer-Layer. Wir können Benutzerrechte bis hinunter auf einzelne Dateien vergeben, und das in einem Waterfall-Konzept – von oben nach unten kann man die Benutzerrechte vergeben. Wenn ein Unternehmen sagt: „Wir haben schon ein Berechtigungssystem aufgesetzt“, lehnen wir uns gerne daran an. Wir arbeiten genauso gerne mit Okta oder Active Directory zusammen und übernehmen die Benutzerrechte in Echtzeit. Wenn dort ein neuer Nutzer angelegt wird, bekommt er die gleichen Rechte in Box. Wir können das aber wirklich granular bis auf den einzelnen Content herunterbrechen. Das machen wir ganz anders als andere.
Sprecher: Das überzeugt mich noch nicht ganz. Ich führe viele Gespräche, und alle sagen: „Hey, wir können das ganz toll.“ Bin ich bei euch wirklich auf der sicheren Seite?
Michael Pietsch: Ja, bei uns ist man auf der sicheren Seite. Wir können das so granular aufdröseln, dass man am Ende des Tages wirklich nur noch das sieht, was man wirklich sehen darf, und auch nur das teilen darf, was man wirklich teilen darf. Man kann im Waterfall-Konzept sagen: Dieser Mitarbeiter darf gar nicht teilen. Oder: Er darf nur eine bestimmte Zeit lang teilen. Oder: Er darf nur intern teilen, nicht nach extern. Genauso leicht kann man festlegen: Er darf extern teilen, aber nur mit bestimmten Mitarbeitern oder externen Agenturen. Wir können das so granular aufbauen wie kein anderes Unternehmen.
Sprecher: Zwei weitere Stichworte hast du schon genannt: Workflow-Kontrolle und Nachvollziehbarkeit. Schlagworte, die wie Zugriffsrechte über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Gib uns ein Beispiel, wenn das Stirnrunzeln des Controllers partout nicht weichen will und du noch zwei, drei Argumente in der Hinterhand hast.
Michael Pietsch: Bei Workflows ist der Controller wahrscheinlich gar nicht so der stirnrunzelnde Mensch. Bei Workflows geht es um Arbeitserleichterung für die Mitarbeiter. Man kann Abläufe abbilden, die man heute vielleicht noch gar nicht abbilden kann.
Denken wir an eine Rechnungskontrolle. Relativ klassisch und einfach. Mittlerweile gibt es in vielen Ländern, auch in Deutschland, verpflichtend elektronische Rechnungen. Eine saubere Rechnungskontrolle machen bis zur Bezahlung im SAP-System lässt sich automatisieren. Beispiel: Rechnungen bis 1.000 Euro können automatisch durch gewunken werden, wenn sie von einem bestimmten Lieferanten in einem bestimmten Rhythmus kommen. Wir arbeiten dafür viel mit Metadaten-Extraktion zusammen und stellen grundlegende Regeln auf.
Der Workflow kann aber auch sagen: Wenn die Rechnung 1.001 Euro beträgt, setzt ein Prozess ein. Dann muss die Abteilung, die bestellt hat, darüber schauen, dann die Abteilung, die die Ware empfangen hat, dann die Abteilung, die sie eingelagert hat – und erst dann wird die Bezahlung angestoßen. Das kann man heute auch manuell machen, im klassischen Stil mit Mappe, weitergeben, einscannen und so weiter. Durch die Metadaten-Extraktion lässt sich das aber sehr schön automatisieren – neue Workflows entstehen.
Sprecher: Du bist Vice President unter anderem für die DACH-Region. Vieles, was wir besprochen haben, findet auch auf anderen Kontinenten statt. Wo liegen die Unterschiede, die Box im deutschsprachigen Raum meistern muss?
Michael Pietsch: Das ist eine schöne Frage, weil man politisch sein muss und gleichzeitig nicht so politisch sein darf.
Sprecher: Deswegen kommt sie von mir.
Michael Pietsch: Deutschland ist nicht gerade dafür bekannt, dass wir neue Technologien sofort zu adaptieren. Ich sage immer: Deutschland ist bei neuen Technologien eher der Third Follower, manchmal auch erst der Fourth Follower. Deutsche Unternehmen schauen oft langfristiger, strukturierter und kritischer auf Technologien. Datenschutz, Compliance, Qualität, Vertrauen und digitale Souveränität haben einen sehr hohen Stellenwert in Deutschland haben. In anderen Ländern sind Governance, Compliance und Datenschutz zwar auch wichtig. Aber der Hunger auf neue Technologien ist größer – gerade in den USA.
Wenn in den USA jemand in den Raum kommt und sagt: „Hey, ich habe Budget bekommen und teste jetzt eine neue Technologie“, sitzen sofort drei Kollegen mit am Tisch und sagen: „Kann ich helfen? Können wir uns am Samstag treffen? Können wir abends einen Workshop generieren?“ In Deutschland ist man zurückhaltender. Da heißt es oft: „Okay, fang mal an. Wenn du den ersten Piloten findest, steige ich auch mit ein.“
Sprecher: Der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg nicht.
Michael Pietsch: Das ändert sich gerade ein bisschen. Ich merke, dass da schon eine andere Denkweise, weil es einfach passieren muss. Aber in der deutschen Industrie dauert das noch ein bisschen. Wir waren ja auch nicht erfolglos in den letzten Jahrzehnten gewesen. Für die Zukunft und gerade angesichts der Schnelllebigkeit durch KI muss aber ein Umdenken passieren. Die Leute müssen mutiger werden, und ein bisschen mehr Spaß an neuer Technologie haben, mal etwas ausprobieren – statt aus Bequemlichkeit das nächste Lizenzmodell zu kaufen.
Sprecher: Du sagst Mut und Spaß. Was muss deiner Meinung nach passieren, damit KI bei uns ein Erfolg wird und wir nicht zusehen müssen, wie alle anderen an uns vorbeifahren? Was kann Box dazu tun und was ist deine persönliche Meinung?
Michael Pietsch: Vertrauen schaffen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Man muss die Hemmnisse nehmen: Darf ich das? Darf ich das nicht? Leider führt das in Deutschland sehr schnell dazu, dass etwas verboten wird. Verbieten geht immer ganz schnell. Stattdessen sollte man sich Gedanken machen, wie man etwas erlauben und die Leute ermutigen kann, etwas auf sicherem Weg zu nutzen.
Box hilft in diesem Bereich enorm. Ihr arbeitet nur mit dem, was euch gehört, und nur mit dem, was ihr als Mitarbeiter wirklich benutzen dürft. Ihr arbeitet auch nur ausschließlich in eurem Umfeld, in eurem System. Ihr ladet nirgendwohin etwas hoch, sondern ihr arbeitet nur mit Unterlagen, die euch ohnehin gehören. Daraus könnt ihr Wissen ziehen und Intelligenz holen.
Das Problem in Deutschland ist eine gewisse Angst, etwas Neues einzuführen, weil vielleicht etwas falsch macht. Und wenn dann aus Controlling- und Security-Sicht gesagt wird: „Ihr dürft jetzt nur diese KI nutzen, nur dieses Language-Modell, weil das im Vertrag enthalten ist“, verschließt man sich sehr sehr stark gegenüber anderen Modellen.
Das ist vergleichbar mit Fremdsprachen. Mit Englisch kommt man sehr, sehr weit. Aber in vielen Teilen der Welt kommt man mit Spanisch besser voran. So sollte man auch bei Language-Modellen denken: Nur weil wir alle Englisch in der Schule hatten, heißt das nicht, dass mein Lizenzmodell mit Englisch überall am besten funktioniert. Man sollte überlegen, was man zusätzlich auf sicherem Weg nutzen und lernen kann, damit dem Unternehmen und einem selbst geholfen ist.
Sprecher: Halten wir fest: Spaß brauchen wir, Mut und Vertrauen. Du warst gerade auf der Hannover Messe. Waren das auch die Punkte, um die sich deine Gespräche mehrheitlich gedreht haben? Oder gibt es noch etwas, das du gerne bei „heise meets …“ erzählen würdest?
Michael Pietsch: Ich fand wahnsinnig interessant in Hannover, was sich im Bereich Robotik tut. Robotik liegt natürlich nah an der Hannover Messe, am Manufacturing. Wenn ich da aber überlege, wie es in zwei oder drei Jahren aussehen kann, wenn künstliche Intelligenz nicht nur im Rechenzentrum stattfindet, sondern wirklich im Edge Computing – also dann wirklich im Roboter, der nicht 365 Tage, jede Sekunde und jede Minute mit einer Cloud verbunden sein muss, sondern autark arbeiten und Dinge vorantreiben kann –, dann passiert da sehr viel.
Im Moment geht alles in Richtung großer Rechenzentren: noch mehr Silizium backen, größere und schnellere Rechenzentren bauen, um darin die künstliche Intelligenz zu betreiben. Ich glaube, das nächste große Ding ist wirklich, künstliche Intelligenz ins Edge Computing zu bringen und damit Menschen direkt zu helfen. In Hannover war dieser Schwenk stark zu spüren: weg von reinen Manufacturing-Lösungen, hin zu künstlicher Intelligenz Lösungen in der Robotik – und damit auch direkt in die reinen Fabriken und Maschinen. Es muss nicht alles immer nur connected zu haben.
Bei Box gehen wir einen ähnlichen Weg. Wir bringen die Rechenzentren näher an die Mitarbeiter heran. Das hat mich in Hannover am meisten beeindruckt. Ich fand aber auch, dass Hannover dieses Jahr spürbar für mich auf jeden Fall, die aktuelle wirtschaftliche Atmosphäre widergespiegelt hat.
Sprecher: Inwiefern?
Michael Pietsch: Gefühlt waren einfach weniger Besucher da. Die genauen Zahlen habe ich mir nicht angeschaut. Für uns in der KI/AI-Halle war das nicht spürbar, weil das ein Hype-Thema ist. In anderen Hallen war aber wenig los.
Sprecher: Lass uns abschließend noch mal in die Glaskugel schauen. Robotics hast du genannt. Wenn wir dieses Gespräch in 365 Tagen, nach der nächsten Hannover Messe, aufzeichnen: Was glaubst Du wo werden wir dann stehen? Wo wird Box stehen? Wie sieht die Welt dann aus?
Michael Pietsch: Was jeder sagt: Wir leben in einer Agent-World. Wir werden noch mehr Agents sehen – wir werden auch Agents sehen, die andere Agents kontrollieren, rein in der Software. Ich glaube, dass die eigentlichen Silos immer mehr aufgeweicht werden – das, was ich die ganze Zeit anspreche. Das gesamte Gehirn des Unternehmens wird genutzt werden können, nicht nur Teile. Die verschiedenen Gehirne des Unternehmens werden zusammengeführt und sprechen dann mit einer Sprache – nicht als Language-Modell, sondern in einer Sprache. So lässt sich das gesamte Wissen nutzen.
Das ist der große Vorteil von AI: Dieses „Ich bin der SAP-Mitarbeiter“ oder „Ich bin der Salesforce-Mitarbeiter“ oder „Ich bin in Abteilung XYZ und arbeite nur mit dieser Applikation“ – das wird aufgeweicht. Kollaboratives Arbeiten wird durch AI wahnsinnig vereinfacht. Applikationn wie Box helfen dabei enorm, weil sie die zentrale, secure Plattform bilden, um dieses Gehirn nutzen zu können. Andererseits gesprochen: in allen Sprachen sprechen können – Spanisch, Englisch und so weiter – und die Information eins zu eins so weitergeben, wie sie im Unternehmen schon entstanden ist.
Sprecher: Da muss ich nachhaken. Das klingt für mich so, als wäre das eher eine Lösung für größere Unternehmen sind. Geht es nicht auch darum, das Wissen aus allen Ebenen und Inseln auch für kleinere Unternehmen und den Mittelstand nutzbar zu machen?
Michael Pietsch: Unbedingt. Bei Box habe ich Kunden mit zwei Mitarbeitern und Kunden mit 12.000 Mitarbeitern. Gerade kleine Unternehmen profitieren. Nehmen wir ein kleines Unternehmen aus der Immobilienwirtschaft, eine Real-Estate-Company. Da sind drei oder vier Mitarbeiter und sie verwalten vielleicht 100 Gebäude mit 100 Plänen, 100 Mietverträgen. Bei Mehrfamiliengebäuden sind in einem Gebäude vielleicht noch einmal 20 Mietverträge.
Das alles zu verwalten – heute liegt das in Ordnern. Mit Glück ist es schon digitalisiert. Aber wie soll ich in diesen digitalisierten Ordnern wirklich alles finden? Welche Sondervereinbarungen wurden beim Mietvertrag damals geschlossen? Wann laufen die Mietverträge aus, um vielleicht eine Mieterhöhung durchzuführen oder Renovierungen anzustoßen?
Das sind kleine Unternehmen, die KI brauchen, um schneller Informationen zu finden und Dinge nicht doppelt machen zu müssen. Mal ist ein Mitarbeiter krank, mal wird eine Kollegin schwanger. Man kann nicht immer automatisch jemand Neues einstellen. Da hilft KI, die Arbeit zu erleichtern, neue Workflows und Abläufe zu bilden und die Digitalisierung – die schon so lange läuft – noch einmal zu vereinfachen und Speed auf die Straße zu bringen, gerade für kleine Betriebe und den Mittelstand.
Die großen Unternehmen haben schon alle ihre Transformationsprozesse, Digital Officer und KI-Verantwortliche. Kleinere Unternehmen brauchen viel Unterstützung. Das haben wir in Hannover gesehen: Genau die kleineren und mittelständischen Unternehmen sind zu uns gekommen und haben gefragt: „Wie könnt ihr unser Wissen was im Unternehmen schon vorhanden ist, nutzbar machen und das bitte mit KI sicher bedienen?“
Sprecher: Dieser „heise meets …“-Podcast ist immer ein Gewinn. Heute besonders mit Michael Pietsch, Regional Vice President DACH und Eastern Europe bei Box. Ich habe viel gelernt, wir haben viel gelernt. Danke, Michael.
Michael Pietsch: Vielen, vielen Dank. Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht.
Sprecher: Mir auch. Und ich sage ganz optimistisch: auf bald.
Michael Pietsch: Auf bald. Ciao.
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