Secure Networking: KI-Agenten benötigen digitale Mitarbeiterausweise (Gesponsert)
Shownotes
Mit verstreut arbeitenden Angestellten, Cloud-Anwendungen und KI-Agenten steigen die Risiken in der Konnektivität. Niklas Horstmann, Vice President Business Unit Secure Networking bei der Deutschen Telekom, sieht das Netzwerk deshalb nicht mehr als reines Transportmedium, sondern als Steuerungsplattform für Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit.
Der klassische Schutzwall hat ausgedient. Statt eine Mauer um das Unternehmen zu ziehen, müssen Verantwortliche Netze segmentieren, Verbindungen kontinuierlich prüfen und Zero-Trust-Prinzipien anwenden. Als Ausgangspunkt dient dabei nie die Bandbreite, sondern der Zweck: Welches Digitalisierungsziel soll die sichere Vernetzung ermöglichen? Von diesem Ziel aus wird die Architektur rückwärts gedacht – von der Konnektivität über die Segmentierung bis zum KI-Agenten, der wie ein Mitarbeiter einen digitalen Ausweis benötigt.
Ein weiterer Denkfehler: Mehr Tools bedeuten eben nicht mehr Sicherheit. Im gehobenen Mittelstand kommen oft zwei bis drei Dutzend Hersteller zum Einsatz, doch das erhöht den Patch-Aufwand und schafft neue Angriffsflächen, die KI-gestützte Angreifer geschickt kombinieren. Der Weg aus der Komplexitätsfalle führt über eine konsolidierte Architektur, die schrittweise wächst und von einem Managed-Service-Partner begleitet wird, der Betrieb und Administration spürbar vereinfacht.
Das Thema Souveränität rückt verstärkt in den Fokus: Nicht Autarkie ist das Ziel, sondern Wahlfreiheit und Kontrolle über Datenflüsse. Data Residency und Betriebssouveränität stellen sicher, dass sensible Daten Europa nicht verlassen und externe Zugriffe technisch ausgeschlossen bleiben.
Im Gespräch mit „heise meets …“ erfahren Sie außerdem,
- wie KRITIS-Betreiber ihre Resilienz mit Secure Networking stärken,
- warum der Best-of-Suite- den klassischen Best-of-Breed-Ansatz ablöst und
- welche Rolle die DigitalX am 8. September in Köln spielt.
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Transkript anzeigen
Sprecherin: Diese Folge wurde vom Arbeitgeber des Interviewpartners gesponsert. „heise meets … – Der Entscheider-Talk". Wir besprechen kritische, aktuelle und zukunftsgerichtete Themen aus der Perspektive eines Entscheiders. heise business services begrüßt Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Immer aktuell und nah am Geschehen.
Sprecher: Herzlich willkommen bei „heise meets …" mit Niklas Horstmann, Vice President Business Unit Secure Networking bei der Deutschen Telekom. Ich bin begeistert von diesem Titel. Hallo Niklas.
Niklas Horstmann: Hallo Matthias, vielen Dank für die Einladung. Moin, moin.
Sprecher: Wir zeichnen diesen Meilenstein der deutschen Audiogeschichte an einem denkwürdigen Tag auf. Deutschland liegt im Koma. Erstens liegen die Temperaturen bei rund 40 Grad. Und zweitens haben die Nagelsmänner gerade von Ecuador zwei Tore eingeschenkt bekommen. Wie geht es dir heute?
Niklas Horstmann: Mir geht es trotzdem gut. Ich gebe zu, ich bin ein bisschen unausgeschlafen. Das Spiel habe ich natürlich auch geschaut. Wie es den anderen 80 Millionen Nationaltrainern geht, dazu habe ich meine Ideen und Überlegungen. Die behalte ich aber für mich. Ich bin mir ganz sicher, dass das Sechzehntelfinale viel besser läuft als das letzte Gruppenspiel.
Sprecher: Wir wollen über Security reden. Denn Otto Normalhacker schläft auch an solchen Tagen nicht. Sicherheit funktioniert mit alten Modellen nicht mehr. Wir haben dich eingeladen, weil sich Security ins Netzwerk verschiebt. Du kannst dir keine Pause damit leisten, oder?
Niklas Horstmann: Nein, das stimmt. Der Angreifer muss nur einmal gewinnen, die Verteidiger müssen die ganze Zeit gewinnen. Das ist ein bisschen wie im Fußball. Aber vielleicht fangen wir doch nicht mit den Analogien an, um es nicht zu übertreiben. Neu ist die Geschwindigkeit, in der Schwachstellen entdeckt werden in der Angriffe erfolgen können. Die Angriffsvektoren werden vielfältiger. Darauf gehen wir sicherlich gleich im Detail ein. Die Abwehr wird immer anspruchsvoller. Und, das ist der Punkt, den du schon erwähnt hast: Sicherheit gehört aus meiner Perspektive zunehmend stärker ins Netz. Nicht nur, weil ich einen Arbeitsplatz habe, auf dem Secure Networking steht. Sondern einfach, weil bis heute die große Mehrheit der Angriffe über das Netz erfolgen. Wenn ich Security nicht nur obendrauf schraube, sondern ins Netz integriere, ist das ein Vorteil für den Schutz.
Sprecher: Niklas, wie beschreibst und definierst du das, wenn du mit einem Kunden sprichst? Warum ist es gerade jetzt so wichtig?
Niklas Horstmann: Es gibt ja ein Paradoxon: Konnektivität wird immer relevanter. Die Mitarbeitenden sitzen verteilt, die Arbeitsressourcen und Applikationen sitzen verteilt. Stichwort Cloud. Das andere Thema war Remote Working. KI führt ebenfalls zu mehr Verkehr. Gleichzeitig wird sie austauschbarer und unsichtbarer.
Damit gibt es ein gewisses Risiko, dass ich das Thema Sicherheit dort vergesse oder einfach obendrauf schraube. Secure Networking ist die Kombination, um sicherzustellen, dass meine Vernetzung resilient ist. Einerseits, damit sie nicht ausfällt. Andererseits, damit sie gegen Cyberangriffe abgesichert ist.
Sprecher: Es war eigentlich so schön, als alle vor einem Rechner saßen und keiner ein Mobilgerät hatte. Damals wurde Sicherheit ganz anders definiert. Wie geht ihr mit diesem Thema um? Wie funktioniert es?
Niklas Horstmann: Das Netzwerk wird vom reinen Enabler auch zu einem neuen Risikofaktor, wenn es schlecht läuft. Dementsprechend müssen wir in einer Kundendiskussion von vornherein fragen: Was macht dir gerade Sorge, wenn du an dein Netzwerk denkst? Was ist deine nächste Digitalisierungsinitiative? Was ist mit der Vielzahl von Tools und der Komplexität? Da fangen wir an.
Ganz häufig ist dann die Erkenntnis: Komplexität nimmt zu, etwa durch regulatorische Vorgaben. Zweitens habe ich eine große Tool-Vielfalt. Drittens habe ich neue Anforderungen, die sich auf das Netz auswirken. Dann fangen wir an, architekturell zu denken. Das ist das Wesentliche: nicht nur ein Stück Leitung, und darauf ein softwarebasiertes Netzmanagement und darauf wieder ein Stück Security. Sondern das alles von vornherein in einem zusammen. Das ist der große Unterschied zu früher.
Sprecher: Wie baut ihr den Zaun? Wie funktioniert das jetzt?
Niklas Horstmann: Früher war der Zaun tatsächlich eine Mauer, die man hochgezogen hat. Heute funktioniert das nicht mehr. Zum einen müssen wir davon ausgehen, dass ein Angreifer vielleicht schon drin ist. Deshalb segmentieren wir in den Netzen. Zum zweiten müssen wir Verbindungen kontinuierlich überprüfen. Das sind die Ansätze die man rund Zero Trust kennt. Der Startpunkt bleibt aber, wie schon gesagt: Was sind die unmittelbaren nächsten Ziele des Unternehmens? Komplexitätsreduktion, die nächste Digitalisierungsinitiative und so weiter. Von dort aus rechnen wir zurück. Wir arbeiten uns rückwärts. Die erste Frage ist nicht die Bandbreite. Sondern: Was ist der Zweck, den eine sichere Vernetzung erfüllen soll? Von dort arbeiten wir rückwärts.
Sprecher: Erzähl das bitte mal an einem Beispiel. Was ist der Zweck, wie funktioniert das? Hast du ein Beispiel?
Niklas Horstmann: Ja, klar. Denk an einen KRITIS-Kunden wie die Autobahn Tank & Rast. Jeder kann sich das vorstellen: Sie betreiben die Tankstellen. Stell dir mal vor, du kannst plötzlich nicht mehr tanken. Der Tank ist leer, das Wetter ist so wie jetzt, und irgendwann funktioniert auch die Klimaanlage nicht mehr. Das wäre nicht so gut. In so einem Fall ist wichtig, dass der Kunde weiß: Mein Netz ist resilient und verfügbar und das zu jeder Tages- und Nachtzeit. Zweitens muss er sich Gedanken machen, welche Cyberrisiken er hat. Drittens muss er sich Gedanken machen: Wenn der Datenverkehr immer mehr zunimmt, wo will ich meinen Kunden entsprechende Dienste anbieten? Wo sollen sie mit den Angeboten interagieren, die ich zusätzlich an einen Rastplatz bringe? Daraus entsteht ein Anforderungsprofil. Dieses Anforderungsprofil muss dann übersetzt werden: Wie sieht die reine Konnektivität aus? Sie muss vielfältig sein. Da reicht nicht nur ein Festnetz. Es muss vielleicht ein Mobilfunk dazu, im Extremfall auch ein Satellitenanschluss. Am Ende geht es darum, ob die Verbindung hinreichend verfügbar und performant ist. Dann geht es um die Vernetzung in den Lokationen und dazwischen. Die schützenswerten Daten müssen geschützt bleiben. Wo habe ich eine Abhängigkeit davon, dass ich unmittelbar auf eine entfernte Cloud-Resource zugreife, wo nicht? Danach richtet sich das Sicherheitskonzept. So geht das weiter. Bis hin zu der Frage: Was macht künftig vielleicht in so einem Anwendungsfall ein autonomer KI-Agent, der ganz neue Anforderungen hat? Das bedeutet nicht immer nur mehr Daten und schnellere Übertragung. Es geht auch um die Frage: Worauf darf der Agent zugreifen? Wie bekommt er quasi eine Identität und einen Mitarbeiterausweis, wenn man so will, wie jeder andere? Das sind Fragen, die man sich stellen muss. Am Ende soll eine Gesamtarchitektur entstehen, die funktioniert und eine sichere Vernetzung von allen Quellen zu allen Zielpunkten sicherstellt.
Sprecher: Das klingt noch ein bisschen theoretisch. Ich will da noch mal nachbohren, weil das ist ein tolle Beispiel, das Du gebracht hast. Wenn ich mich in die Motivation eines Hackers versetze, sehe ich bei so einer Anlage an der Autobahn ganz viele Angriffspunkte. Macht ihr das genauso? Geht ihr tatsächlich mit allen Mitarbeitern rum und schaut, wo etwas passieren könnte?
Niklas Horstmann: Das ist eine gute Frage. Man muss verstehen, dass nicht nur das unmittelbare Netz abgesichert sein muss. Ich muss auch verstehen, welche Tools ich überhaupt betreibe. Habe ich Visibilität über alle Tools? In unserem Beispiel betrifft das nicht nur die IT-Welt, also Information Technology, sondern auch die OT-Welt, Operational Technology. Häufig wissen Unternehmen gar nicht, was sie da alles noch betreiben und wo Verkehr über ein Netz läuft. Das ist der absolute Startpunkt, um zu wissen, was da ist. Was muss ich in meinem Netzwerk abgrenzen? Mikrosegmentierung ist eines dieser Stichworte. Der nächste Schritt: Nicht nur die lokale Infrastruktur ist relevant. Sondern auch die Frage, wo greift das vielleicht auf ein Warenwirtschaftssystem zurück, wo auf eine Cloud-Ressource, um Videowerbung auszuspielen? Was für Anwendungsfälle kann es an so einer Tankstelle geben? Die muss man sich entsprechend genau anschauen. Der große Unterschied ist: nicht mehr den Perimeter einmal drum herum legen. Sondern viel differenzierter arbeiten, wie bei einem Puzzle. Jedes Puzzleteil muss ineinandergreifen. Aber auch die Grenzen einhalten, die der einzelne Nutzer, der einzelne Anwendungsfall, die einzelne Applikation oder der KI-Agent einzuhalten hat.
Sprecher: Verstehe. Das Netz wird quasi zur Steuerungsplattform, es liegt nicht nur am Transportmedium. Stimmst du mir da zu?
Niklas Horstmann: Ja, absolut. Die Konnektivität bleibt die Konnektivität. Aber das Netzwerk wird zu einer Steuerungsplattform. Deshalb nimmt da tatsächlich seine Bedeutung zu, wenn ich sicherstellen will, dass Digitalisierung erfolgreich und sicher gelingt. Jede einzelne Initiative, jedes Projekt, das ich als CIO starte, muss das mitdenken und ein vernünftiges Fundament haben. Damit ich mir diese Fragen nicht jedes Mal ganz neu stellen muss.
Sprecher: Wo wird entschieden, wenn die Daten in Echtzeit verarbeitet werden, was an die Edge gehört, was in die Cloud? Wie steuert ihr diesen Prozess?
Niklas Horstmann: Zuallererst sind die Anwendungen entscheidend. Die Architektur, die ein Kunde in seiner IT hat, bestimmt maßgeblich die Anforderungen. Der Ansatz „one size fits all", wie man ihn früher gedacht hat, funktioniert nicht mehr. Der sogenannte Enforcement Point, also der Wachpostenführer, wo ich prüfe, ob ein zulässiger Zugriff stattfindet, ist vielleicht nicht mehr nur eine Firewall am Internetanschluss der Tankstelle.
Ich muss das auch zwischen den einzelnen Geräten tun. Ich muss es vielleicht auch auf dem Weg zu einer Cloud-Ressource entsprechend tun und den Verkehr über einen entsprechenden Standort im Netz schicken. Oder direkt in unserem Netz integriert. Dann setzen wir das, was ich eingangs ausgeführt habe, in Reinform und Konsequenz um. Wenn der Verkehr zuallererst über eine Waschmaschine in unserem Netz läuft, haben wir sichergestellt, dass die Überprüfungen stattgefunden haben, bevor er 20 Milisekunden später den einzelnen Standort erreicht. So denken wir darüber nach, wie wir solche Lösungen bauen. Wir haben zum Beispiel ein Produkt gebaut, das sich Security on Net nennt. Das integriert Security direkt in Festnetz- und Mobilfunkanschlüsse. Also nicht erst auf dem Endgerät, nicht erst am Anschlussende, sondern direkt aus dem Netz, als rudimentärer Schutz. Die Angriffsvektoren sind vielfältig, entsprechend müssen auch die Punkte vielfältig sein, an denen ich Sicherheit anwende.
Sprecher: Du hast beim Tankstellenbeispiel schon gesagt: Und wenn jetzt eine künstliche Intelligenz dazukommt, verändert das die Datenflüsse. Du hast neue Schnittstellen, neue Automatisierungen, neue Abhängigkeiten. Eine neue Herausforderung, oder?
Niklas Horstmann: Absolut. Es ist eine neue Herausforderung für das Netz und für das, was das Netz sicherstellen muss. Vielleicht geht es gar nicht immer nur um mehr Daten. Sondern die Echtzeitübertragung wird mit einmal viel wichtiger. Oder ich muss von vornherein sehr klar überlegen, was ein KI-Agent mit einer gewissen Autonomie darf und was er nicht darf. Deshalb ist unser Denkansatz in den konkreten Projekten: Du musst über einen KI-Agenten genauso nachdenken wie über einen menschlichen Nutzer, dem du auch nicht alle Zugriffsrechte gibst. Deshalb habe ich metaphorisch vom Mitarbeiterausweis für den KI-Agenten gesprochen.
Sprecher: Schönes Bild. Das Netzwerk entscheidet heute über Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. So können wir das zusammenfassen.
Niklas Horstmann: Absolut.
Sprecher: Lass uns ein bisschen darüber reden. Der eine oder andere denkt vielleicht: Ich habe hier ein Tool, da noch ein bisschen mehr Sicherheit, dazu nehme ich das und so weiter. Ihr sagt: Nein, mehr Tools bedeuten nicht automatisch mehr Sicherheit.
Niklas Horstmann: Korrekt. Das ist tatsächlich so. Gerade im gehobenen Mittelstand erleben wir, dass Unternehmen bei Netzwerk und Security Hardware, Software und Tools von zwei oder drei Dutzend Herstellern im Einsatz haben.
Sprecher: Und sich damit vermutlich sicher fühlen, bis ihr kommt.
Niklas Horstmann: Sicher fühlen, exakt. Denn es gab neue Vorfälle, da hat man ein neues Tool eingeführt. Hier gab es noch ein Thema, da hat man ein neues Tool eingeführt und so weiter.
Sprecher: Dann waren die bösen Journalisten da, die haben noch eine Schwachstelle entdeckt, da haben wir noch ein Tool eingeführt. Eigentlich sind wir uns sicher, und dann kommt Niklas und sagt: Mehr Tools sind nicht mehr Sicherheit.
Niklas Horstmann: Exakt. Das ist ein Flickenteppich. Warum ist das so, wo es doch konterintuitiv ist? Zum einen: Je mehr Tools ich habe, desto mehr muss ich patchen. Es fängt bei ganz einfachen Dingen an. Wir leben in einer Zeit, in der Sicherheitslücken gerade in Cybersecurity-Software viel viel schneller gefunden werden. In Wochen so viel wie früher in Jahren. Ganz profane Dinge wie Patchen, Patchen werden immer wichtiger. Je mehr Tools ich im Einsatz habe, desto herausfordernder wird das. Ich muss jedes Mal prüfen, ob ich das einfach einspielen kann. Das ist Punkt eins. Punkt zwei, und das erleben wir bei KI-basierten Angriffen als Neuigkeit: Die Kombination aus vermeintlich unkritischen Schwachstellen kann in Summe eine kritische Schwachstelle ergeben. Es gibt intelligente Angriffskombinationen. Der Zugang zu einem vermeintlich unkritischen System, dann die nächste Lücke dort und dort, führt dazu, dass sich ein Angreifer sehr weitgehenden Zugriff zur internen IT ermöglicht. Das sind zwei Argumente, warum Toolvielfalt erstens Kosten produzieren und zweitens zum Sicherheitsrisiko wiederum werden kann. Man kann nicht alles konsolidieren, es gibt nicht nur eine einzige Lösung. Aber ja, IT-Konsolidierung aus Kostendruck bei gleichzeitigem Wunsch nach mehr Sicherheit und Kontrolle über Security und Netzwerk, das ist ein starker Treiber in unseren Kundengesprächen.
Sprecher: Das heißt, wenn wir IT einfacher denken und Netz und Sicherheit zusammenbringen: Was ist die Lösung?
Niklas Horstmann: Die Lösung ist, dass ich anfange zu überlegen, was die Mindestanzahl an verschiedenen Tools ist, die ich für eine solche Architektur brauche. Das heißt nicht, alles rauszureißen und neu einzubauen zu jeder Zeit. Die Technologie ist in der Lage, und ein entsprechender Partner mit einem gemanagten Service ebenfalls, einen Kunden Schritt für Schritt auf die Reise mitzunehmen. Triff hier mal eine wohlüberlegte architekturelle Entscheidung. Dann geht man Schritt für Schritt die Ebenen des Netzes und der Security-Tool-Landschaft durch. Wo ist es sinnvoll, stärker zu konsolidieren? Das nennen wir Best-of-Suite. Oder wo ist es notwendig, auf ein Spezial-Einzeltool zu setzen, also Best-of-Breed? Ein Fehler, den auch wir und Wettbewerber häufig noch machen: Wir werden sehr stark technologisch geprägt und diskutieren über viele Features. „Hier hast du drei Features mehr, das ist das bessere Tool." Das führt genau zu der beschriebenen Situation. Deshalb ist das der Wechsel, den wir vornehmen: Erst zu fragen, was das Minimum ist, und dann erst wieder dazu zu bauen. Statt von vornherein zu sagen: 30 Probleme erfordern 30 verschiedene Lösungen.
Sprecher: Du hast das schön beschrieben. Kannst du wieder ein Beispiel aus eurer täglichen Arbeit präsentieren, wie man am besten damit umgeht?
Niklas Horstmann: Die Zahl der Anbieter, die Netzwerkmanagement und Security immer weiter konsolidieren, ist relativ hoch und wächst. Das ist erstmal eine positive Nachricht für Kunden. Zweitens: Wenn ich mich zu stark an eine Technologie binde, entsteht das Risiko eines Lock-in-Effekts. Das kann man mit einem starken Partner mitigieren, der einen gemanagten Service liefert. Die Technologie ist relevant, aber vor allem steht der Service im Vordergrund. Der Partner stellt sicher, dass ich eine gewisse Austauschmöglichkeit habe. Man beginnt an dem Punkt, wo der Kunde die größte Not hat. Etwa: Ich muss tatsächlich über meine Standortvernetzung oder mein Gebäudenetz neu nachdenken. Oder: Ich habe eine klassische Security-Architektur, die nicht mehr funktioniert, weil meine Leute verteilt sitzen und meine Anwendungen zunehmend in der Cloud sind. Es geht darum, den klassischen Sicherheitsperimeter, der nur die Firewall denkt, aufzubrechen. So kommt man in die Diskussion.
Sprecher: Darf ich eine ketzerische Frage stellen? In dem Moment, wo der Kunde selber den Mangel sieht, wenn er über neue Strukturen und Infrastrukturen nachdenkt, keinThema. Aber wenn er selber den Fehler sieht, ist es dann nicht schon fast ein bisschen zu spät?
Niklas Horstmann: Ja und nein. Wir reden häufig so, als wären Netze und Sicherheitsarchitekturen auf der grünen Wiese neu aufbaubar. Das sind sie aber nicht. Deshalb habe ich versucht, realistisch zu argumentieren. In den meisten Gesprächen kommt man rein, weil der Kunde sagt: Ich habe hier ein wahnsinniges Performance-Problem mit meinem Laden. Ganz praktisch. Vielleicht habe ich Kassensysteme und dreimal gemerkt, dass etwas ausfällt. Muss ich etwas tun? Da fängt die Diskussion an. Bei Kunden, die uns als vertrauensvollen Partner kennen, bringen wir das auch proaktiv mit. Aber die Realität zeigt: Häufig gibt es einen Startpunkt in diese Diskussion. Wir bringen dann die Beratungskompetenz mit um zu erklären: Es ist richtig, dass wir jetzt über deinen Plan oder deine Firewall sprechen. Aber lass uns sofort Schritt schon mal zwei, drei, vier, fünf mitdenken. Wie sollte die Architektur künftig aussehen, damit du keinen Stockfehler machst und eine gewisse Investitionssicherheit hast?
Sprecher: Völlig klar. Die Anzahl der Anbieter von Security-Lösungen wächst. Sie kommen nicht alle aus dem schönen Bonn am Rhein. Es gibt auch welche außerhalb Deutschlands. Es gibt sogar welche außerhalb Europas, wird kolportiert. Wenn ich einen Anbieter habe, der nicht so ganz mit dem Cyber Resilience Act, mit NIS2, mit der DSGVO harmoniert – wir haben da so viele verschiedene Vorgaben –, was entgegnest du? Was muss ich als Kunde beachten?
Niklas Horstmann: Wir kommen jetzt in das Thema Souveränität herein. Das ist allen Zuhörerinnen und Zuhörern klar. Das Thema ist aus meiner Sicht weder ChiChi noch bedeutet es Autarkie. Es gibt diese zwei Pole so ein bisschen in der Diskussion. Ich glaube, beides ist falsch. Autarkie funktioniert ehrlicherweise nicht. Ich glaube nicht, dass wir die Globalisierung und die technologische Innovation von außerhalb Kontinentaleuropas einfach links liegen lassen können oder zurück drehen können. Da müssen wir ehrlich sein.
Aber wir müssen uns mit zwei Fragen beschäftigen. Erstens: Habe ich überhaupt eine vernünftige Wahlfreiheit? Kann ich Lock-in-Effekte ein Stück weit vermeiden? Zweitens, und das ist die Kernfrage: Wer kontrolliert denn die Daten und die Datenflüsse? Wer kann in Daten hineingucken? Das sind die Kernfragen, mit denen sich CIOs beim Thema Souveränität heute beschäftigen sollten. Das fängt nicht erst im Rechenzentrum an mit der Frage, welche Cloud-Infrastruktur ich nutzen kann. Es geht schon viel früher los. Wie sieht mein eben Netz aus? Wo, wenn ich an Security denke, wird tatsächlich in den Verkehr reingeguckt? Wo wird vielleicht eine Verschlüsselung aufgebrochen, um in verschlüsselte Verkehre reinzugucken? All das ist heute in modernen Sicherheitsarchitekturen vorgesehen. Da will ich mir Gedanken machen, wo ich tatsächlich sensible Daten übertrage. Wie kann ich ausschließen, dass bestimmte in den USA vorgesehene rechtliche Zugriffe nicht erfolgen können, weil ich das technologisch verhindere oder anderweitig ausschließe?
Sprecher: Du hast viele Fragen aufgeworfen. Hast du auch Antworten darauf? Beispielsweise: Wer hat Zugriff auf meine Daten?
Niklas Horstmann: Ich muss mir Gedanken über Daten- und Betriebssouveränität machen. Die sogenannte technologische Souveränität gehört ein bisschen ins Land der Träume, bezüglich Autarkie. Aber über Daten- und Betriebssouveränität muss man sich Gedanken machen. Die kann ich zunehmend sicherstellen, indem ich Lösungen aufbaue, die eine gewisse Data Residency gewährleisten. Also dass Datenfluss nicht außerhalb Europas stattfindet. Selbst bei cloudbasierten Security-Lösungen gibt es zunehmend Angebote auf dem Markt, die das sicherstellen. Wir und andere bemühen uns sehr stark darum, auch in Kooperation eben mit US-amerikanischen Technologieanbietern. Das ist Punkt eins. Punkt zwei: Die Daten mögen hier bleiben. Aber wer sichert mir denn zu, dass nicht trotzdem der Zugriff ermöglicht wird und durch einen Cloud Act einem Unternehmen sogar vorgeschrieben wird? Das ist das Thema Betriebssouveränität. Ich stelle sicher, dass der Datenzugriff technologisch, nicht nur rechtlich, sondern auch ganz praktisch, vielleicht sogar physikalisch nicht ermöglicht wird. Ich nehme wieder ein Beispiel. In unserem Produkt Security on Net haben wir, soweit ich weiß, die erste daten- und betriebssouveräne Security-Lösung direkt aus dem Netz im Markt gebracht. Wie geht das? Die Daten werden direkt in unserem Netz analysiert. Wer bei uns einen Anschluss hat, dessen Daten werden zwischen Anschluss und Analysepunkt bearbeitet. Sie gehen nirgendwo anders hin. Zweitens Betriebssouveränität: Auf die Technologie, die in Hardware oder Software steht und auf die zugegriffen werden kann, hätte in diesem Fall nur zertifiziertes Personal der Telekom Zugriff. Nur sie könnten die Management-Vorgänge und die Parametrierung vornehmen. So setzen wir Daten- und Betriebssouveränität ganz praktisch um. Das ist nicht immer so einfach, wie ich es hier skizziert habe, das muss man offen sagen. Aber der Markt wird sich in diese Richtung bewegen. Wir haben das Beispiel der Abschaltung von Mythos und Fable 5 schon erwähnt. Das sind handfeste Beispiele, wohin eine zu hohe Abhängigkeit führen kann. Nicht nur zu einem Sicherheitsrisiko, sondern auch zu einem betrieblichen Risiko, wenn ich davon abhängig bin, dass bestimmte Tools in meiner Produktion, meinem Vertrieb, meiner Logistik oder meiner Lieferkette funktionieren.
Sprecher: Lass uns abschließend gemeinsam in die Glaskugel gucken. Wo geht die Reise hin in puncto Security und Netz? Wenn ich mich heute entscheide, etwas zu machen, und Niklas anrufe: Wo geht die Reise hin, damit ich in den nächsten drei, vier, fünf Jahren auch sicher bin?
Niklas Horstmann: Punkt eins: Es bleibt bei den wichtigen Dingen, über die wir schon gesprochen haben. Ich muss eine IT-Infrastruktur haben, über die ich ausreichend Visibilität habe, um sie überhaupt kontrollieren zu können. Das ist die Kernaufgabe jedes CIOs. Punkt zwei: Ich muss sicherstellen, dass ich eine Netzwerk- und Security-Architektur habe, die mit meinen Anforderungen wachsen kann. Das klingt abstrakt, heißt aber: Ich muss die physikalische und die softwaregesteuerte Ebene in einem Netz trennen können. Ich muss auf eine Architektur setzen, die es mir ermöglicht, neue Anwendungsfälle wie KI zu integrieren, ohne weitere Tools hinzuzufügen. Das sind so ganz handfeste Grundsätze, auf die ich achten sollte, um zukunftssicher aufgestellt zu sein. Drittens habe ich idealerweise einen Partner, der mir nicht nur heute, sondern auch morgen Komplexität abnimmt.
Sprecher: Das war der Werbeblock. Darf ich das noch mal fortsetzen?
Niklas Horstmann: Er muss einmal sein. Aber es gibt viele andere, die das können. Ich werbe dafür, sich anzuschauen, wer mir Komplexität abnimmt und trotzdem nach vorne heraus Innovation betreibt. Das sind die richtigen Partner, die sich CIOs suchen sollte.
Sprecher: Ich setze den Werbeblock noch mal fort. Wenn sich CIOs Lösungen suchen: DigitalX am 8. September in Köln. Was bewegt dich da besonders?
Niklas Horstmann: Ganz wichtig, erstens: Secure Networking ist keine Spezialdisziplin mehr. Es ist die Grundlage für digitale Handlungsfähigkeit. Zweitens: das Thema Cloud und KI ermöglichen neue Geschäftsmodelle. Wir wollen zeigen, wie das auch für die breite Masse des Mittelstands geht. Drittens: Wie kann ich das Thema Souveränität mitdenken und nicht vergessen, damit ich nach vorne hin sicher und nachhaltig stabil aufgestellt bin.
Sprecher: Am 8. September in Köln. Alle Fragen, die wir in diesem „heise meets …"-Podcast jetzt nicht gestellt haben, kann man Niklas dort persönlich stellen. Man kann dir Löcher in den Bauch fragen.
Niklas Horstmann: Absolut, ich freue mich auf jede Frage.
Sprecher: Niklas Horstmann, Vice President Business Unit Secure Networking bei der Deutschen Telekom. Herzlichen Dank für deinen Besuch bei „heise meets …" und auf bald, spätestens am 8. September in Köln.
Niklas Horstmann: Danke, Matthias, auf bald.
Sprecherin: Das war „heise meets … – Der Entscheider-Talk". Sie wollen mehr erfahren? Dann besuchen Sie uns auf heise-meets.de. Wir freuen uns auf Sie.
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