KI-Rechenzentren: Warum Flüssigkeitskühlung zum neuen Standard wird (Gesponsert)

Shownotes

„Die Schaufeln werden gebraucht zum Buddeln – ohne die gibt es kein Gold“: Mit diesem Bild beschreibt Thomas Schreiner, Head of Business Dev. & Global Accounts HPC bei Rittal, die aktuelle Lage im Rechenzentrumsmarkt. Der weltweite KI-Boom löst einen regelrechten Goldrausch aus – und die Infrastruktur entscheidet, wer am Ende tatsächlich Geld verdient.

Die Anforderungen an die Hardware verändern sich dramatisch: Während ein klassischer Schaltschrank früher 12 bis 15 Kilowatt aufnahm, erreichen aktuelle KI-Racks bereits 220 Kilowatt. Für 2028 rechnet Rittal mit einem Megawatt pro Schrank. Auch das Gewicht steigt: Statt 1,5 Tonnen tragen moderne Racks bis zu 4,7 Tonnen – das entspricht einem mittelschweren afrikanischen Elefanten.

Luftkühlung reicht für diese Leistungsdichten nicht mehr aus. Flüssigkeitskühlung wird zum Standard, Edelstahlrohre verteilen Wasser direkt an die Chips. Die Abwärme lässt sich über Wärmepumpen nutzen und steigert die Energieeffizienz der Datacenter spürbar.

Rittal setzt auf einen modularen Systemansatz mit Building Blocks für Kühlung und Stromverteilung. So lassen sich Rechenzentren schneller errichten, flexibel erweitern und an neue Chip-Generationen anpassen. Auch mobile Konzepte in Containern oder Zelten gewinnen an Bedeutung.

Im Gespräch mit „heise meets …“ erläutert der Rittal-Experte,

  • warum Flüssigkeitskühlung im KI-Zeitalter unverzichtbar wird,
  • wie modulare Systeme den Bau von Datacentern beschleunigen und
  • welche Rolle die Standortwahl und die Energieversorgung künftig spielen.

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Transkript anzeigen

Sprecherin: Diese Folge wurde vom Arbeitgeber des Interviewpartners gesponsert. heise meets … – Der Entscheider-Talk. Wir besprechen kritische, aktuelle und zukunftsgerichtete Themen aus der Perspektive eines Entscheiders. heise business services begrüßt Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Immer aktuell und nah am Geschehen.                                                                                                                                  Sprecher: Herzlich willkommen zu heise meets … – Der Entscheider-Talk. Heute mit Thomas Schreiner von Rittal.

Sprecher: Grüß dich, Thomas.

Thomas Schreiner: Ja hallo Matthias, ich grüße dich. Sehr schön, bei euch zu sein.

Sprecher: Wir freuen uns, dass du da bist. Aber es könnte sein, dass in diesen Hundertschaften, Hunderttausendschaften hätte ich fast gesagt, der Hörer von heise meets … nicht alle wissen, was Rittal eigentlich bedeutet. Thomas, gib uns mal einen kurzen Überblick. Was macht ihr, warum macht ihr was, wo seid ihr und so weiter.

Thomas Schreiner: Genau, Rittal, ja, wer ist Rittal? Rittal sagen viele, ist der Weltmarktführer in Schaltschranksystemen. Wir gehören zur sogenannten Friedhelm-Loh-Group und sitzen in Herborn, das ist in Mittelhessen, also in der Mitte Deutschlands. Wer sind wir? Wir sind ein Unternehmen mit 9.600 Mitarbeitern und haben zehn Produktionsstandorte. 60 Tochtergesellschaften weltweit. Und ja, wenn ich sage Schaltschranksysteme, dann liefern wir … Viele kennen uns vielleicht, wer schon mal in einer Fabrik war oder bei einer Automatisierungsfirma oder einem Maschinenbauunternehmen, hat schon mal irgendwo so eine Kiste von uns gesehen. Oder für die, die lieber zum Skifahren gehen, die müssen mal oben an die Lifte gucken. An den Liftstationen steht immer ein Schaltschrank von der Rittal-Gruppe.

Sprecher: Das ist ja hochspannend. Ich gucke beim nächsten Mal.

Thomas Schreiner: Ja, genau. Guck mal, guck mal.

Sprecher: Und ich habe schon gelernt, ich habe das falsch betont. Ich habe Rittal gesagt. Du sagst aber Rittaaal.

Thomas Schreiner: Das ist richtig. Ja, genau. Aber das ist oft so. Also, die sagen Rittal.

Sprecher: Genau. Ich verpasse euch jetzt noch einen neuen Namen. HHC. Weißt du, was dahinter steht? Ich sage: Hessen Hidden Champion. Ist das übertrieben für euch?

Thomas Schreiner: Ich würde sagen, ja und nein…

Sprecher: Warum ja und nein?

Thomas Schreiner: Aus der Industrie sind wir sehr, sehr bekannt eigentlich in unserem Umfeld. Unsere Kunden, die kennen uns natürlich, klar. Aber auch sonst, wenn man sich mit anderen Unternehmen unterhält, der Rittal, da kommen oft so Aussagen wie: „Der Rittal, ja den kennen wir, den haben wir schon mal gesehen.“ Und das kommt oft aus diesem Industrieumfeld.

Sprecher: Okay, oder es ist ein Skifahrer.

Thomas Schreiner: Genau, oder es sind Skifahrer. Wenn wir aber jetzt in die IT reingehen, weil das ist der zweite Bereich, den wir haben. Und in diesem IT-Bereich sieht man uns auch schon mal im Datacenter. Wenn im Fernsehen so ein Rechenzentrum von innen gezeigt wird, dann sieht man auch schon mal das Rittal-Label. Aber da sind wir vielleicht nicht so bekannt, aber trotzdem sehr, sehr erfolgreich.

Sprecher: Das glaube ich unbesehen. Thomas, ich finde das ja so phänomenal. Ich habe mich sehr auf dieses Gespräch mit dir gefreut, weil alle Welt redet von Hochleistungsrechenzentren. Wir reden von künstlicher Intelligenz, von den entsprechenden Chips dazu. Die gehen an der Börse durch die Decke und so weiter. Aber kaum jemand redet über die Möbel, die es braucht, wo ich diese Chips und alles reinstecke. Täuscht der Eindruck oder ist das wohl eine falsche Wahrnehmung von mir?

Thomas Schreiner: Ja, das hast du schon ganz gut gesagt, die Möbel. Das ist natürlich schon ein entscheidender Faktor. Insbesondere erleben wir da gerade wirklich eine absolute Revolution, wie diese Möbel auszusehen haben. In der Vergangenheit gab es die sogenannte 19-Zoll-Technik, also das ist letztlich die Breite, wo die Server oder die IT-Geräte eingeschraubt werden. Das war so Standard und das gibt es eigentlich seit, ich würde sagen, der frühen 90er. Da hat sich das etabliert, wie die Server in den Schrank gewandert sind. Und das war so eine lange Zeit fein. Ist auch heute für viele Anwendungsbereiche noch nach wie vor sehr gut.

Aber im Moment ändert sich das. Das hat sich so in den letzten fünf, vielleicht auch schon zehn Jahren geändert. Und das hängt natürlich mit der KI zusammen. Das hängt ganz einfach damit zusammen: Im Prinzip geht es bei einem Rechensystem, ganz platt gesagt, erstmal darum, ich stecke Energie rein in Form von Strom, dann passiert irgendwas auf dem Chip oder in dem Rechner. Das wandelt sich um in Wärme und das geht wieder aus dem Schrank raus. Dadurch, dass sich jetzt die Chips ändern und immer leistungsfähiger werden, heißt es: Ich muss auf der einen Seite viel Strom reinstecken und auf der anderen Seite Energie in Form von Kühlung wieder abführen. Und das ändert sich dramatisch mit dem Einstieg von KI. Und das ist wirklich der Unterschied.

Sprecher: Beschreib uns mal den Schrank. Also ich kenne natürlich auch diese ganzen alten Schränke. Und während du das geschildert hast mit der vielen Energie rein und die muss auch natürlich wieder weg, erkenne ich als Laie auch den Unterschied? Wie würdest du den beschreiben?

Thomas Schreiner: Genau, ich würde den erstmal beschreiben: Wenn man jetzt von vorne drauf schaut, dann sieht das vielleicht erstmal ganz normal aus. Aber wenn ich jetzt ins Innere reinschaue, in den Schrank reinschaue, dann habe ich auf einmal hinten komplette Stromschienen, so Kupferstromschienen, wo ich den Server reinschiebe. Der wird direkt kontaktiert. Und wenn ich jetzt in die wirklichen Hochleistungschips gehe, dann habe ich auf einmal den Unterschied, dass ich jetzt nicht mehr mit Luft kühle, sondern das, wo Luft einfach durch den Rechner durchgeblasen wird und durch gewisse Kühlrippen gekühlt wird, sondern dass es heute stattfindet mit Flüssigkeitskühlung. Und das ist ein großer Unterschied. Das hängt wieder mit dieser Energie, die ich beschrieben habe, zusammen. Was geht rein und was muss nachher rauskommen? Und das wandelt sich gerade sehr, sehr stark.

Sprecher: Das heißt, wenn ich von hinten drauf gucke, erkenne ich es auch als Laie.

Thomas Schreiner: Von hinten müsste man es auf jeden Fall als Laie erkennen können, weil hinten sind auf einmal so Wasserverteilungs-Edelstahlrohre. Die sitzen an den Schränken dran und verteilen dieses Wasser in den Schränken, um die Chips zu kühlen.

Sprecher: Thomas, du hast im Vorgespräch zu diesem Podcast gesagt, bei Rechenzentren ist es wie im Goldrausch. Was steckt dahinter?

Thomas Schreiner: Im Prinzip ist der Goldrausch wirklich ein bisschen ein Begriff, den man da ganz gut verwenden kann. Und ich denke, mit ChatGPT ist es für uns alle sehr, sehr greifbar geworden. Vor ein paar Jahren wurde ChatGPT, ich glaube, als Unfall sogar mehr oder weniger, als Sprachmodell rausgebracht, auf den Markt gebracht. Und damit ist auf einmal klar geworden, dass es unfassbare, für jeden Einzelnen greifbare Möglichkeiten bedeutet. Und jetzt will jeder, ob es ein Hyperscaler ist, ob es ein Co-Locator ist, also Co-Locator, die Rechenzentren vermieten, quasi, oder auch Universitäten, Privatpersonen oder auch Staaten, reges Interesse haben, das zu nutzen, weil es unglaubliche Möglichkeiten bietet.

Und ich glaube, das kann jeder. Wir nutzen das vielleicht, um Informationen zu bekommen, oder wir sagen: Ich brauche jetzt mal ein Bild für die Präsentation, stellen wir das mal unter den Bedingungen zusammen. Das ist ja schon gigantisch. Und ich glaube, diese Möglichkeiten schaffen natürlich auch komplett neue Geschäftsfelder. Und da ist im Moment natürlich ein enormer Run auf diese ganzen Themen drauf. Zum einen geht es natürlich um die Technologie: Wer hat die Technologie am ehesten verfügbar, wer kann sie danach verkaufen. Auf der anderen Seite passiert jetzt auch in der ganzen Infrastruktur: Wie können wir das überhaupt realisieren, wie ist das überhaupt machbar?

Sprecher: Das heißt, ihr bei Rittal habt kein volles Auftragsbuch, ihr habt eine volle Auftragsbücherei?

Thomas Schreiner: Ja, im Prinzip kann man das so sehen. Also im Prinzip nach Covid wurde das Cloud-Geschäft sehr gepusht und das ging nahtlos über in das AI-Geschäft, was jetzt stattfindet. Und das ist natürlich ein sehr, sehr hoher Bedarf. Wenn man sich jetzt, ich sage mal, die exponierten Hyperscaler anguckt, die sind ja oft in den Medien. Ob es Meta, Google oder wie sie alle heißen sind, die expandieren natürlich enorm in diese Technologie. Das kann man in der Presse nachlesen, auch bezüglich ihrer Datacenter. Und was auch noch dazukommt: Sie bauen die Datacenter in Zeiträumen auf, die von der Geschwindigkeit total gigantisch schnell sind. Und das wiederum hat natürlich einen Einfluss darauf, welche Infrastruktur ich da nehme.

Sprecher: Gib uns mal ein Beispiel, wenn du sagst, die bauen das irre schnell. Im Idealfall, wie lange dauert das von der Planung solch eines Rechenzentrums bis zur Fertigstellung? Was muss ich mir als Laie darunter vorstellen von dem Zeitraum?

Thomas Schreiner: Ich bin jetzt nicht der Fachmann für die ganzen Genehmigungsverfahren, aber man geht davon aus, zwischen drei und fünf Jahren kann so etwas in Deutschland dauern, bis ich so ein Datacenter gebaut habe, mit Genehmigungsverfahren und allem, was dranhängt. In den USA wird es wahrscheinlich schneller gehen, da sind die Genehmigungsverfahren normal kürzer. Bauzeit würde ich sagen 12, 24, 36 Monate. Und ja, da kann man sagen, von End-to-End vielleicht zwischen drei und fünf Jahren.

Und dieser ganze Zyklus verändert sich jetzt. Jeder versucht, die Datacenter so schnell wie möglich hochzuziehen, weil, was ich eingangs schon gesagt habe, in der Vergangenheit wurde immer mit Luft gekühlt. Das sind die bestehenden Datacenter. Und jetzt muss auf Flüssigkeitskühlung umgestellt werden. Das hat auch einen enormen Einfluss auf die Datacenter. Und deswegen müssen diese, um die Technologie platzieren zu können, natürlich entsprechend vorbereitet werden.

Sprecher: Das ist völlig klar. Und das funktioniert am besten über Standardisierung. Also indem ich einfach Dinge besser planen kann, weil ich sie mehrfach mache.

Thomas Schreiner: Genau. Und jetzt ist das natürlich genau das Thema, wenn sich Dinge schnell ändern. Gerade auch, man sieht das bei Nvidia, die bringen ihre Chip-Generationen in Takt von jährlich neu raus, mit höheren Leistungsklassen, viel, viel höheren Leistungsklassen. Ich gebe mal ein Beispiel. Wenn wir es auf einen Schrank beziehen, kann sich jeder vorstellen: 600 Millimeter breit, so ein Schrank, der ist 2,40 Meter hoch, so etwas in der Richtung. In der Vergangenheit hat so ein Schrank 12 kW, 15 kW verbraucht an Leistung, was ich reingesteckt habe an Energie. Wir sind heute bei KI-Schränken bei 220 kW.

Sprecher: Das ist, wenn ich das richtig überschlage, eine Ver-15-fachung, oder?

Thomas Schreiner: Genau, genau. Und nächstes Jahr, wenn die neue Chip-Generation kommt, sind wir wahrscheinlich bei 500 kW. Und im Jahr 2028, 2029 gehen wir von Leistungsklassen von einem Megawatt pro Schrank aus.

Sprecher: Was bedeutet das für euch? Also ihr kriegt diese Zahlen und du gehst damit um. Mir steht der Mund offen und für dich ist das Business as usual. Aber was bedeutet das in eurer täglichen Arbeit?

Thomas Schreiner: Für unsere tägliche Arbeit heißt es, wir müssen total eng am Kunden dran sein. Das heißt, wir müssen mit denen ständig in Kontakt sein und vor allen Dingen müssen wir Geschwindigkeit aufbauen, was Entwicklung angeht. Und da kommt uns jetzt bei Rittal zugute: Wir arbeiten seit über 30 Jahren mit einschlägigen Serverherstellern zusammen und haben dadurch natürlich gewisse Erfahrungen aufgebaut, auch im internationalen Bereich. Das heißt, nicht nur in Deutschland, sondern wir sind international sehr stark unterwegs. Und um diese Engineering-Skills jetzt abrufen zu können, können wir das natürlich gut anzapfen und das jetzt auch umsetzen. Auch wenn es natürlich eine Challenge bleibt, weil das enorme Anforderungen auch an die Mechanik hat.

Also wenn man jetzt wirklich beim klassischen Schaltschrank bleibt, ich gebe auch noch mal ein Beispiel dazu. Wir haben in der Vergangenheit immer mit so Last- oder Gewichtsklassen gerechnet, so 1.500 Kilogramm, 1,5 Tonnen, mit denen so ein Schrank belastet werden kann. Heute entwickeln wir Schränke, die bis zu 4,7 Tonnen aufnehmen können an Gewicht. Da reden wir über mittelschwere afrikanische Elefanten, vom Gewicht her. Das braucht natürlich Engineering-Skills: Wie kann man das umsetzen, wie kann man das machen?

Die andere Seite ist natürlich: Wie kann man das kühlen? Das ist das andere Thema. Weil wenn ich die Energie reinstecke, wie kann ich sie kühlen? Und das sind natürlich auch Skills, die wir in der Vergangenheit schon erarbeitet hatten. Wir hatten sogar schon in 2006 den ersten Prototypen für eine Flüssigkeitskühlung. Damals war es aber noch keine Anforderung. Deswegen hat der Markt es nicht so angenommen. Aber jetzt ist das Realität und jetzt kommt keiner mehr drum rum.

Sprecher: Ja, Thomas, ich will dich jetzt mal festnageln. Was macht das perfekte System aus? Erstens, zweitens, drittens. Was sind die Fragen, die du stellst oder die Antworten, die du brauchst, um das perfekte System zu beschreiben?

Thomas Schreiner: Ein System ist natürlich ein System, wo ich verschiedene Szenarien, Lösungsszenarien mit aufbauen und abdecken kann. Und wo ich verschiedene Module habe, man nennt das Building Blocks, mit denen ich aufbauen kann, aufgrund oder nach den Anforderungen, die die Kunden brauchen. Wie gesagt, wir haben im Moment keine große Standardisierung, weil es sich so oft wechselt. Aber mit gewissen Bausteinen kann ich zumindest das erwirken, dass ich eine Standardisierung erlange, wenn ich das clever vom Engineering her mache.

Sprecher: Welche Bausteine sind das?

Thomas Schreiner: Beispiel-Bausteine: Kühlkomponenten, das sind einzelne Bausteine. Dann haben wir Stromkomponenten, das sind einzelne Bausteine, die wir zusammenbringen können. Wir machen ja als Rittal wenig aktive Produkte. Wir machen die zwar auch, zum Beispiel unsere Kühlungseinheiten, das sind aktive Produkte. Aber andere Produkte direkt sind mechanische Produkte. Und dann im Powerbereich machen wir Stromverteilungskomponenten. Da arbeiten wir wieder mit Partnern zusammen, aber generieren ein System, dass die so wieder mit uns zusammenarbeiten können und ihre Produkte da nutzen können. Das ist unsere Zielsetzung dabei.

Sprecher: Ich will dir mal ein bisschen die Pistole auf die Brust setzen. Bildlich gesprochen: Diese Chips sind nicht ganz billig. Wer sie hat, der muss sie anwenden. Der kann sie nicht erst noch zwei Jahre ins Regal legen und warten, bis ihr Teufelskerle dann das Ding fertig habt. Das heißt, ihr steht auch unter einem enormen Druck bei Rittal.

Thomas Schreiner: Ja, absolut. Also das ist im Moment, wie gesagt, da kann man wieder auf das Goldrauschthema zurückkommen. Die Schaufeln werden gebraucht zum Buddeln und ohne die gibt es kein Gold. Und das ist definitiv, da ist wirklich sehr, sehr hoher Druck drauf. Und man sieht das ja auch an den Datacentern, wie die gebaut werden, relativ kurzfristig und dann mit hohem Druck. Und wie du schon ganz richtig gesagt hast, wer die Chips hat, der muss sie einsetzen. Es gibt Rechenbeispiele, dass so ein Datacenter mit 100 Megawatt am Tag einen Profit generieren kann, einen finanziellen Profit von 4 bis 5 Millionen Dollar. Wenn ich die halt nicht habe, kann ich keinen Umsatz generieren und mir steht auch die Investition, die riesig ist, steht dann leer rum.

Sprecher: Und im Zweifelsfall kommt der Nachbar mit dem anderen Rechenzentrum und macht das Geschäft und ich bin länger raus, als mir lieb ist.

Thomas Schreiner: Genau, genau. Und dann muss ich ja auch durch diese Chips, weil die Chip-Generationen sich ja ändern, die werden ja leistungsfähiger, will ich natürlich die auch möglichst gut nutzen. Sonst muss ich sie ja relativ schnell abschreiben, um die zu nutzen, weil dann gibt es schon wieder bessere und dann gibt es neue Modelle, die ich damit fahren kann. Also das ist schon so. Und das wirkt natürlich für uns von der Infrastrukturseite auch immer herausfordernd. Und die Lieferfähigkeit: Wir haben eine gute Supply Chain aufgebaut und auch verschiedene Produktionsstätten global. Dadurch kann man es ganz gut abdecken. Aber herausfordernd, absolut herausfordernd.

Sprecher: Thomas, wir reden immer über feste Rechenzentren. Also wo irgendwo eine Halle steht mit einem Betonboden und wo die Energie da ist und wo das Wasser zur Kühlung da ist und so weiter. Wenn ich diese Investitionen höre, über die du sprichst, dann denke ich manchmal: Reicht die Zeit, um so eine Halle hinzustellen, oder ist das Rechenzentrum der Zukunft irgendwie mobil? Im Container, im Zelt oder was es da irgendwie gibt?

Thomas Schreiner: In der Tat, es gibt schon Ansätze von Kunden, die gehen genau diesen Weg. Also auch über Container, das ist etwas, was im Moment auch diskutiert wird und wo auch viele Versuche gemacht werden, wie kann man das relativ schnell umsetzen. Aber auch wirklich, ich glaube Meta macht das in den USA, die haben ein Projekt in Iowa, wenn ich mich richtig erinnere, was in Zelten gebaut wird. Also das ist schon was Festes, aber das ist wirklich ein Zelt, was da gebaut wird. Und das ist schon genau der Geschwindigkeit geschuldet, um das aufzubauen.

Sprecher: Du hast gesagt, diese Schränke werden auch immer schwerer. Das heißt, ich muss auch einen Boden haben. Wenn ich das richtig im Ohr habe, hast du gesagt, von 1,5 Tonnen auf 4, ein bisschen was. Das stelle ich ja nicht einfach in die Pampa.

Thomas Schreiner: Nein, das muss man natürlich schon. Im klassischen Rechenzentrum hat man heute so einen Doppelboden, wo früher die Kühlung gelaufen ist und noch Kabel. Und das fällt natürlich weg. Die stehen heute dann auf dem Boden, weil den brauchen wir auch nicht mehr, weil die Flüssigkeitskühlung halt anders kanalisiert wird. Das kann man dann vernachlässigen. Aber nichtsdestotrotz, die Geschwindigkeit ist schon wirklich enorm. Also es gibt Projekte, da wird auf der einen Seite noch gebaut und auf der anderen Seite wird schon installiert. Also das gibt es auch.

Sprecher: Aber wenn ich so mobil bin, wie du das beschreibst, dann bin ich natürlich näher da, wo ich möglicherweise Energie, wo ich Wasser und so weiter habe. Ich bin bei den Standorten deutlich flexibler.

Thomas Schreiner: Ja, definitiv. Zumindest die Standortwahl, weil ich habe es ja eben schon in den Beispielen der Energie beschrieben, die Datacenter müssen letztlich dorthin, wo die Energie ist. Und das ist das Entscheidende. Und da werden die auch gebaut.

Sprecher: Ihr als Rittal-Experten, ihr habt ja nicht nur 30 Jahre Erfahrung, sondern ihr wisst ja auch, wohin der Hase eventuell läuft. Das heißt, welche Tipps gebt ihr Kunden, was kann ich wie intern verbessern? In Datacentern, beispielsweise ein perfektes Zusammenspiel zur Kühlung? Wie würde das funktionieren?

Thomas Schreiner: Ja, also das ist unser Ansatz, den wir fahren. Es ist wirklich dieser Systemgedanke, dass ich Systeme aufbauen kann, dass ich diese modular aufbauen kann, dass ich die erweitern kann, wenn sich mein System auch erweitert, auch erneuern kann, wenn es notwendig ist, und dass man dadurch auch Zeit gewinnt. Wenn man ein cleveres System hat und nicht wieder von vorne anfängt aufzubauen – das ist eigentlich unser Credo.

Sprecher: Ich stelle mir das so vor: Wir haben alle in diesem Sommer eine Hitzewelle erlebt und jeder hat gesagt, die Ventilatoren sind ausverkauft und so weiter. So ganz effektiv ist die Kühlung aber mit einem Ventilator ja nicht. Ein Sprung ins kühle Wasser wäre besser.

Thomas Schreiner: Absolut, das ist ein gutes Beispiel, was du da bringst. Genau das ist es, was auch genau passiert. Und wenn man sich jetzt einfach mal vorstellt, was hat zum Beispiel ein Bügeleisen? Das gibt unten Hitze ab von, ich glaube, 9 Watt pro Quadratzentimeter, so etwas an Energie, wenn man das so rechnet.

Sprecher: Kann schon schmerzhaft sein.

Thomas Schreiner: Das kann schmerzhaft sein, wenn man den Finger dran hat. So ein Chip, die Generation, die nächstes Jahr rauskommt, die liegt bei 112 Watt pro Quadratzentimeter. Da sieht man auch die Relation schon wieder, welche Hitze da ist. Und diese Hitze bekomme ich natürlich nicht mit Luft gekühlt. Das funktioniert nicht. Deswegen Flüssigkeit. Deswegen ist Flüssigkeit ein Muss. Und genau so ist es.

Das ist natürlich auf der anderen Seite auch sehr effizient. Und durch die hohen Temperaturen, die da in dem System gefahren werden, kann ich diese Temperaturen auch wieder nutzen und kann damit Prozesse angehen und kann zum Beispiel Wärmepumpen mitsteuern. Das ist schon eine Möglichkeit. Also man kann zumindest die Energieform der Wärme nutzen. Warme Luft zu nutzen ist sehr schwierig, weil die muss ich erst mal wieder einfangen und muss sie erst mal wieder umwandeln. Das ist ja letztlich wie ein Heizkörper.

Sprecher: Ich habe im Vorfeld dieses Gesprächs eine Zahl gelesen: rund 725 Milliarden Dollar. Hätte Herr Klingbeil sicherlich gerne… 725 Milliarden Dollar werden in diesem Jahr investiert in Rechenzentren. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt Belgiens. Thomas, lass uns mal in die Glaskugel gucken. Bleibt es bei diesem Tempo? Wird es möglicherweise schneller?

Thomas Schreiner: Also da gibt es natürlich jetzt verschiedene Stimmen dazu. Es gibt natürlich auch welche, die sprechen von der Blase im KI oder sagen: Ja, das müssen wir erst mal abwarten, ob das so bleibt. Es gibt ja auch gewisse Schwierigkeiten natürlich mit KI. Das haben wir ja letztens auch in der Presse mitbekommen. Aber ich denke, diese Möglichkeiten sind jetzt erst mal da. Und egal wie: Das wird steigen. Das wird nach wie vor steigen. Also das wird kein 2000er Jahre, dass es jetzt abstürzt, sondern es wird weiter wachsen. Auch wenn es sich vielleicht erst mal ein bisschen auf einem Level auspendelt, es wird aber weiter wachsen. Das ist so ein bisschen mein Gefühl, weil einfach diese Möglichkeiten und die Geschäftsmöglichkeiten, die sich dadurch ergeben, halt enorm sind. Und deswegen müssen auch die Datacenter aufgebaut werden, wie sie heute sind. Und auch die Energieform wird sich ändern. Von daher sind diese Investitionen schon realistisch, die da sind.

Sprecher: Und ihr bei Rittal spielt immer mit?

Thomas Schreiner: Ja, wir versuchen das. Zumindest in unserem Bereich, den wir haben. Ja, genau. Das machen wir.

Sprecher: Und hast du deine Familie schon darauf vorbereitet? Papa ist in den nächsten zwei Jahren nicht für Urlaub zu haben. Ihr müsst es alleine machen, weil die Auftragsbücherei ist voll.

Thomas Schreiner: Ja, das ist natürlich immer ein Thema, klar. Aber ich denke, wir versuchen das auch mit guten Teams global aufzusetzen und wir sind auch da echt gut unterwegs. Natürlich ist es manchmal stressig, klar, das gehört dazu. Aber im Prinzip haben wir ein gutes, verlässliches Team, auf das wir uns verlassen können. Wir sind auch ein eingespieltes Team und dann stellen wir uns den Herausforderungen oder müssen noch wachsen.

Sprecher: Zum Abschluss will ich von dir gern noch wissen: Was ist so die kniffligste Aufgabe gewesen, die du in den vergangenen Monaten in deinem Job leisten musstest? Wo hast du gesagt: Da bin ich besonders stolz drauf, dass wir es geschafft haben?

Thomas Schreiner: Also ich will es jetzt gar nicht an den besonderen Monaten festmachen, ich will eigentlich sogar in den vorhergehenden Jahren noch mal zurückgehen. Da ging es um diese sogenannten Open-Compute-Systeme, weil das die Grundlage ist der Systeme, die wir heute haben. Und da haben wir frühzeitig investiert und haben frühzeitig auch eine Rolle gespielt und mitentwickelt. Da würde ich sagen, das war so das Herausforderndste, weil das natürlich für viele Neuland war und man muss natürlich auch Überzeugungsarbeit leisten, intern und extern. Aber das ist jetzt genau der Punkt, zumindest aus unserer Sicht, aus der Gehäuseseite oder aus der Rack-Seite, was sich wirklich rentiert hat, da zu investieren. Weil das ist im Moment auch da, wo wir stehen, da drin begründet.

Sprecher: Ich sage herzlichen Glückwunsch, dass ihr da steht, wo ihr steht. Ich sage auch herzlichen Dank, Thomas Schreiner von Rittal, zu Gast bei heise meets … – Der Entscheider-Talk. Herzlichen Dank, Thomas. Und ich nagel dich jetzt schon mal fest: In 365 Tagen reden wir wieder über dieses Thema, weil wir müssen gucken, ob das in diesem Tempo weitergegangen ist.

Thomas Schreiner: Das machen wir gerne. Alles klar. Danke dir, Matthias

Sprecher: Thomas, lieben Dank und tschüss.                                                                                                                Sprecherin: Das war heise meets … – Der Entscheider-Talk. Sie wollen mehr erfahren? Dann besuchen Sie uns auf heise-meets.de. Wir freuen uns auf Sie.

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